Kampf gegen Extremisten
Soldaten stürmen jüdisches Zentrum in Bombay

Noch immer herrscht ein kriegsähnlicher Zustand in der indischen Finanzmetropole Bombay: Sondereinheiten jagen die restlichen Kämpfer, die sich in den zwei betroffenen Luxushotels und einem jüdischen Zentrum verschanzt haben. Zwei deutsche Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes konnten am Morgen aus dem Hotel „Oberoi Trident“ befreit werden.

HB BOMBAY. Kommandotrupps stürmten unter dem stetigen Feuerschutz von Scharfschützen das fünfstöckige Zentrum einer jüdischen Organisation, in dem sich mutmaßlich muslimische Extremisten wahrscheinlich mit mehreren Geiseln verschanzt hatten. Soldaten seilten sich von einem Hubschrauber ab und begannen damit, von Zimmer zu Zimmer, von Etage zu Etage das fünfstöckige Gebäude zu durchkämmen.

Ähnlich gingen Kommandos in den Luxushotels Taj Mahal und Oberoi vor, in denen am Mittwochabend und Donnerstag hunderte von Hotelgästen in den Gewaltstrudel koordinierter Angriffe mehrerer schwer bewaffneter Angreifergruppen geraten waren. Nach amtlichen Angaben wurden mindestens 119 Menschen getötet und 288 verletzt, unter den Toten war auch ein deutscher Geschäftsmann.

Im belagerten Hotels Trident-Oberoi wurden nach jüngsten Angaben des indischen Innenministeriums noch bis zu 30 Menschen als Geiseln gehalten. Mehr als hundert weitere saßen in ihren Zimmern fest. Elite-Einheiten mit geschwärzten Gesichtern waren zuvor unter dem Jubel der Menge in das Hotel eingedrungen. Aus einer oberen Etage schlugen riesige Flammen.

Zwei deutsche Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes konnten am Freitagmorgen aus dem Hotel „Oberoi Trident“ in Bombay befreit werden. Das teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mit. Die Mitarbeiter des Außenministeriums hätten sich bereits vor Beginn der Attentatswelle in dem Hotel aufgehalten. Unklar war, ob die Deutschen als Geiseln festgehalten worden waren, oder ob sie sich in Zimmern des Hotels verschanzt hatten.

Die Sprecherin des Außenministeriums sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Deutsche unter den Betroffenen sind. „Die Lage ist weiterhin unübersichtlich.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Donnerstagabend gesagt, es sei auch möglich, dass weitere Deutsche ums Leben gekommen seien. Ein Münchner Medienunternehmer war bei einem dramatischen Fluchtversuch aus dem Hotel „Taj Mahal“, das im Zentrum der Angriffswelle stand, ums Leben gekommen.

Die mutmaßlich muslimischen Extremisten hatten Augenzeugenberichten zufolge vor allem Amerikaner, Briten und Juden im Visier. Getötet wurden aber zum überwiegenden Teil Inder und Ausländer – Menschen, die in den Kugelhagel und die Handgranatenexplosionen gerieten. Die Angreifer waren nach Polizeidarstellung mit AK-47-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnet und kannten sich in dem Viertel sehr gut aus.

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