Kampf gegen Inflation
China zieht Geld aus der Wirtschaft ab

Im Kampf gegen steigende Verbraucher- und Immobilienpreise zieht die chinesische Notenbank weiteres Geld aus dem Wirtschaftskreislauf. Die Geschäftsbanken müssen ihre Mindesteinlagen bei der Zentralbank nach Angaben vom Freitag um 0,5 Prozentpunkte erhöhen - auf den Rekordwert von 18,5 Prozent.
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HB PEKING. Das ist bereits die fünfte Anhebung in diesem Jahr und die zweite innerhalb von nur zwei Wochen. Die Behörden entziehen dadurch den Banken Geld, damit diese nicht so viele Kredite an Verbraucher und Unternehmen ausreichen können. Das soll die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen.

Allein im Oktober hatten die Geldhäuser umgerechnet etwa 67 Mrd. Euro an neuen Krediten ausgegeben. Die ab dem 29. November wirksame Erhöhung der Mindesteinlage sollte rund 40 Mrd. Euro bei der Zentralbank verschwinden lassen, die die Banken andernfalls verleihen könnten. Die Inflationsrate in China war angesichts des rasanten Wirtschaftswachstums im Oktober auf 4,4 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Volkswirte sind jedoch überzeugt, dass die Notenbank es im Kampf gegen die Inflation nicht bei der Erhöhung der Mindesteinlage belassen wird. „Das ist nur ein Teil des Waffenarsenals, das sie einsetzen werden. Wir erwarten, bald weitere Schritte zu sehen“, erläuterte Michael Lewis von der Deutschen Bank in London. Viele Experten gehen davon aus, dass die Notenbank noch vor dem Jahresende auch die Leitzinsen erneut erhöhen wird. Die Bank of China hatte zuletzt am 19. Oktober zum ersten Mal seit fast drei Jahren die Zinsen erhöht.

Die Regierung in Peking will den Anstieg der Inflation auch mit Preiskontrollen abbremsen. Vorübergehend wollen die Behörden die Preise von wichtigen Produkten wie Lebensmitteln vorschreiben, falls sich diese zu schnell verteuern. Nach Ansicht von Volkswirten kann die Regierung die Inflation mit Preisvorgaben jedoch nicht dauerhaft unter Kontrolle bringen.

Das Vorgehen der Regierung gegen die Inflation hat zuletzt an den globalen Aktienmärkten für große Nervosität gesorgt, weil sie hierzu wahrscheinlich die Wirtschaft abbremsen muss - derzeit das Zugpferd der Weltkonjunktur. Diese Aussicht hat chinesische Aktien innerhalb von sechs Handelstagen um rund zehn Prozent gedrückt.

Auch die Sonderverwaltungszone Hongkong fährt im Kampf gegen die rasant steigenden Preise am Immobilienmarkt neue Geschütze auf. Sie erhebt eine saftige Steuer auf spekulative Immobilienverkäufe und verschärft zudem die Hypothekenvorschriften.

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