Kampf gegen Inflation
Russland will Preise einfrieren

Sanktionen, ein sinkender Rubel und die Beschränkung von Einfuhren: In Russland steigt die Inflation dramatisch. Die Regierung arbeitet an Maßnahmen, die den Preisanstieg stoppen sollen, gerade bei Lebensmitteln.
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MoskauDie russische Regierung erwägt Notmaßnahmen gegen die hohe Inflation. Sollte diese weiter anziehen, könnten etwa bestimmte Preise vorübergehend eingefroren werden, sagte Handelsminister Denis Manturow der staatlichen Zeitung „Rossiiskaya Gazeta“ (Donnerstagausgabe). Dies sei möglich bei 40 „lebenswichtigen“ Produkten für einen Zeitraum von 90 Tagen. Voraussetzung seien dramatische Preisveränderungen, etwa ein Anstieg um mehr als 30 Prozent.

Die Teuerungsrate wird derzeit von mehreren Faktoren hochgetrieben. Dazu zählen der sinkende Rubel-Kurs, die Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise und das Verbot von Lebensmittelimporten aus einigen westlichen Ländern. Die Zentralbank erwartet für dieses Jahr eine Inflation von mehr als acht Prozent.

Nach Daten des Statistikamts war der Preisauftrieb zuletzt besonders stark bei Butter (plus 22,5 Prozent) und bei Milchprodukten (17,7).

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kampf gegen Inflation: Russland will Preise einfrieren"

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  • @Norbert Wolter

    Für den Moment stimmt Ihre Analyse. Leider sind die Erträge der ergiebigsten Fracking-Quellen in Amiland schon rückläufig. Der Fracking-Boom wird also nicht ewig andauern.

  • Ich glaub mich tritt ein Pferd! Hugo Chaves hat nicht umsonst gelebt. Rationierungsmarken sind bestimmt das nächste...

    Die arme Russen können mir nur leid tun, aber wie man sich bettet, so liegt man.

    Diese ganze Geschichte sollte das Interesse an der Demokratie ganz neu entfachen in Russland. Dann käme doch noch was ganz vernünftiges heraus aus diesem Trauerspiel.

    Wenn ich Putin richtig durchschaut habe, hat er aber noch ein Ass im Ärmel oder zwei. Die Brotpreise kann man niedrig halten, wenn man die ukrainischen Weizenfelder unter seine Kontrolle bringt.

    Obst und Schinken gibt es in Polen.

  • Die russische Wirtschaft erinnert mich an die literarische Figur des Scheinriesen Herr Tur Tur. Dieses Land ist einfach zu abhängig vom Öl- und Gasexport. Schlittert Europa nun in eine Rezession, wird weniger Gas abgenommen. Sollte man den Gashahn noch zusätzlich zudrehen, können die gleich den Laden dicht machen. Hinzu kommt, die Saudis haben die Öl-Produktion angehoben um konkurrenzfähig zu bleiben, denn die Amis fracken was das Zeug hält. Mich erinnert dieses ungemein an die 80er Jahre, als der von mir sehr geschätzte Präsident Reagan mit seinem Kunpel Fahd beschloss, die Ölproduktion explodieren zu lassen, weil man erkannte, dass Sowjetrussland einen Mindestpreis bei Öl und Gas benötigte, um die Wirtschaft am laufen zu halten. Ergebnis ist bekannt: Sowjetrussland war pleite und Geschichte. Russland deckt heute noch immer 4/5 seiner Staatseinnahmen aus dem Energiesektor. Angesichts des fallenden Ölpreises ein beunruhigender Umstand für Russland. Das Ergebnis ist ein fallender Rubel, der weiter fallen wird. Putin ging bisher von einem Preislevel von 100 Dollar/Barrel für die nächsten Jahre aus, was er sich abschminken kann, denn die Amis werden weiter fracken. Die Regale in den Supermärkten Russlands leeren sich, Schlange stehen wird bald wieder en vogue sein. Die Preise werden in Russland angesichts des Rubelverfalls weiter steigen und die Devisenreserven werden wie das Eis in der Sonne schmelzen. Das Einfrieren von Preisen wird angesichts der Notwendigkeit, Waren aus dem Ausland importieren zu müssen, nicht viel bringen. Bin mal gespannt, wie lange die russischen, luxusverwöhnten Oligarchen Putin die Treue halten. Bin mal gespannt, wann die ersten Fußballprofis Russland den Rücken kehren. Bin mal gespannt, ob die WM 2018 überhaupt finanziell gestemmt werden kann.

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