Kampf gegen IS
Irakische Offensive kommt nur langsam voran

Mit 30.000 Kämpfern will die irakische Regierung die IS-Extremisten aus der strategisch wichtigen Stadt Tikrit vertreiben. Doch der bisher größte Angriff auf die Dschihadisten kommt nur langsam voran.
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BagdadNach dem Beginn einer Großoffensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stößt das irakische Militär auf starken Widerstand. Die Armee meldete am Dienstag zwar erste Geländegewinne östlich der Stadt Tikrit. Irakische Medien berichteten zugleich aber von heftigen Gefechten und Selbstmordattentätern, die den Angriff aufhalten sollten.

Armee, schiitische Milizen und sunnitische Stammeskämpfer hatten am Sonntag eine Offensive begonnen, um den IS aus der strategisch wichtigen Stadt Tikrit zu vertreiben. Es ist der bisher größte Angriff auf die Dschihadisten im Irak. Die Regierung hat nach eigenen Angaben 30 000 Kämpfer mobilisiert. Auch Iraks Luftwaffe fliegt Angriffe gegen die Dschihadisten.

Tikrit rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad liegt an einer strategisch wichtigen Verbindungsstraße in den Norden des Landes. Die Offensive gilt zugleich als Test der irakischen Kräfte für einen geplanten Angriff auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul.

IS-Aktivisten verbreiteten über den Kurznachrichtendienst Twitter Bilder eines US-Amerikaners mit dem Namen Abu Dawud al-Amriki, der sich mit einer Autobombe in die Luft gesprengt haben soll. Laut der Nachrichtenseite Al-Mada mussten die Angreifer allein 60 Sprengsätze entschärfen oder zur Explosion bringen, die der IS versteckt hatte.

Aus Militärkreisen hieß es, Armee und schiitische Milizen hätten östlich von Tikrit die Region Hamrin sowie kleinere Orte eingenommen. Auch zwei Ölfelder seien beschossen worden. Eine unabhängige Bestätigung für die Geländegewinne gab es zunächst nicht. Erfolgsmeldungen der irakischen Armee haben sich in der Vergangenheit häufiger als falsch herausgestellt.

Die US-Armee und ihre Verbündeten beteiligen sich bislang nicht mit Luftangriffen an der neuen Offensive gegen die sunnitischen Extremisten. Laut dem US-Verteidigungsministerium gab es keine Anfrage der irakischen Regierung, wie US-Medien berichteten.

Es handele sich um eine irakische Angelegenheit, sagte ein Sprecher des Pentagons. Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten bombardieren seit mehreren Monaten regelmäßig IS-Stellungen im Irak und in Syrien.

Dagegen unterstützt der schiitische Iran die Offensive. Mit Ghassem Sulejmani sei ein hochrangiger Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden als Berater und Beobachter vor Ort, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars am Montag.

Augenzeugen berichteten unterdessen, die IS-Terrormiliz habe nördlich von Mossul eine christliche Kirche gesprengt. Das Gebetshaus in dem Ort Talkif sei zuvor geplündert worden, hieß es.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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