Kampf gegen IS
USA müssen Luftangriffe in Syrien begründen

Im Krieg gegen IS-Extremisten eröffnen die USA eine neue Front in Syrien - ohne Erlaubnis der Regierung. Arabische Verbündete helfen, auch die Türkei rasselt nun mit dem Säbel. Doch die Uno fragt nach dem Völkerrecht.
  • 8

Washington/Damaskus/Istanbul/BeirutDas US-Militär hat in Syrien erneut Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflogen. Es seien zwei Stellungen der Extremisten südwestlich von Dair as-Saur bombardiert worden, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Auch im Irak gab es einen weiteren US-Angriff, der nordwestlich der Hauptstadt Bagdad erfolgt sei.

Die USA hatten in der Nacht zum Dienstag gemeinsam mit fünf arabischen Verbündeten erstmals ihre Angriffe auf den IS vom Irak auf Syrien ausgeweitet. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden dabei 70 IS-Extremisten getötet. Zudem starben 50 Kämpfer der weitgehend unbekannten Chorasan-Gruppe, die mit dem syrischen Al-Kaida-Ableger verbunden ist. Chorasan soll nach Angaben des Pentagon kurz vor einem Terroranschlag in den USA oder Europa gestanden haben.

Bei den US-Luftangriffen in Syrien wurden nach Angaben von Menschenrechtlern auch acht Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder. US-Generalleutnant William Mayville sagte, dem Pentagon lägen keine Berichte über getötete Zivilisten vor.

Im Nachbarland Irak fliegen die USA schon seit mehr als sechs Wochen Angriffe gegen die IS-Miliz. Anders als dort hat Washington in Syrien jedoch keine Erlaubnis der Regierung für die Angriffe eingeholt, sondern den international isolierten Präsidenten Baschar al-Assad lediglich vorgewarnt.

Die Ziele in Syrien seien mit Marschflugkörpern „Tomahawk“, Kampfjets und bewaffneten Drohne angegriffen worden. Es habe insgesamt 14 Luftschläge gegen den IS gegeben. Mehr als 150 Präzisionsbomben fielen nach Angaben von Pentagonsprecher John Kirby. Die Schläge seien „sehr, sehr effektiv gewesen“, betonte er. Den Befehl hatte US-Präsident Barack Obama vergangenen Donnerstag nach seinem Besuch in Tampa erteilt.

Zu den Angriffszielen gehörten laut dem US-Militär Kommandozentren, Trainingslager, Waffenarsenale und Versorgungslager der IS-Miliz. Es seien vor allem Stellungen und Einrichtungen im nordostsyrischen Al-Rakka angegriffen worden, darüber hinaus in der Nähe der Städte Dair as-Saur, Hasaka und Abu Kamal. Al-Rakka gilt als die syrische Hochburg der Dschihadisten. Pentagonsprecher Kirby kündigte weitere Attacken an: „Die Angriffe von gestern Nacht waren erst der Anfang.“

Syrien sei über die US-Bombardements nach eigenen Angaben vorab von Washington informiert, meldete die nationale Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das syrische Außenministerium. Die USA betonten, Syrien sei nicht um Erlaubnis gebeten worden.

„Dies ist nicht Amerikas Kampf allein“, sagte Obama kurz vor seiner Abreise zum Klimagipfel nach New York. Die nationale Sicherheit werde „Schulter an Schulter“ mit den arabischen Ländern verteidigt. „Wir werden Terroristen, die unser Volk bedrohen, keinen Zufluchtsort lassen“, sagte er mit Blick auf die Angriffe gegen Chorasan.

Kommentare zu " Kampf gegen IS: USA müssen Luftangriffe in Syrien begründen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • „Die USA müssen Luftangriffe über Syrien begründen“. Und wenn nicht? Was will dieser Zahnlose Tiger denn machen. Dieses Internationale Kaffeekränzchen tanzt doch ehe nach der Pfeife US-Kriegsmaschinerie. Und diese Sache mit dem Völkerrecht, gilt doch nur für andere Nationen, wenn man sie damit belangen kann. Doch nicht für die Imperialistischen Machtgelüste der Amerikaner. Die haben sich mit der ISIS eine Legitimation geschaffen, die ihnen ermöglicht, überall und wann immer sie es für nötig halten Militärisch einzugreifen. Wer kontrolliert wen oder was die Amis da Bombardieren? Jetzt können sie auch in Syrien rumbomben, und brauchen auf keine Resolution warten. Die Contras, Al-Kaida, ISIS, erst hofiert und Aufgebaut um sie später zu Bekämpfen. Immer und immer wieder ziehen die Amis dieses Schema durch, und keiner lernt daraus dass der Amerikaner der Einzige Terrorist auf diesem Globus ist.

  • Die irakische Hisbollah kann melden, was sie will. Sollte es zur Bombardierung der irakischen Armee durch US-Kampfflugzeuge tatsächlich gekommen sein, ist das zwar eine Peinlichkeit und wohl verdiente Abfuhr für alle, die immer noch behaupten, Luftschläge könnten mit "chirurgischer Präzision" durchgeführt werden, aber Absicht darf man mit Sicherheit ausschließen.

  • Die irakische Hisbollah hat gemeldet, dass US-Kampfflugzeuge bereits zum zweiten mal absichtlich die irakische Armee bombardiert haben, statt wie offiziell angegeben die ISIS-Gruppe. Auch in Syrien fliegen die USA nun Angriffe. Russland verurteilt die Militär-Operationen scharf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%