Kampf gegen IS
„Wenn Kobane fällt, ist das eine Katastrophe“

Für die Kurden ist die Verteidigung der Stadt Kobane eine Frage der Ehre und ein Symbol der Selbstbehauptung. Der Kurden-Konflikt könnte eskalieren, warnt der türkische Bürgerrechtler und Ex-Terrorist Ertugrul Kürkcü.
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DiyarbakirNoch vor wenigen Monaten schien eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in der Türkei in greifbarer Nähe. Aber jetzt droht der Konflikt wieder zu eskalieren – wegen des Kampfs um die syrische Kurdenstadt Kobane.

Feldwebel Necdet Aydogdu hatte dienstfrei am vergangenen Mittwoch, dem türkischen Nationalfeiertag. Mit seiner Frau schlenderte der 24-jährige Soldat über einen Basar in Diyarbakir. Aydogdu trug zivil. Aber er muss dennoch erkannt worden sein. Mitten im Menschengewühl näherten sich von hinten zwei maskierte Männer und schossen ihm aus nächster Nähe in den Kopf. Aydogdu starb wenig später im Dicle-Krankenhaus.

Erst vier Tage zuvor waren in der Stadt Yüksekova, wie Diyarbakir fast ausschließlich von Kurden bewohnt, drei Soldaten der türkischen Armee auf ganz ähnliche Weise ermordet worden: Drei maskierte Täter lauerten den Offizieren auf, die während eines Wochenendurlaubs in zivil durch die Stadt spazierten, und streckten sie auf offener Straße durch Kopfschüsse nieder. Die Täter konnten, wie in Diyarbakir, unerkannt entkommen.

Die Polizei vermutet die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hinter den Morden. Es handelt sich wohl um eine Vergeltung für den Tod von drei PKK-Rebellen, die am 23. Oktober in der Kurdenprovinz Kars von Sicherheitskräften erschossen wurden, als sie einen Anschlag auf ein Kraftwerk verüben wollten.

Die Morde von Diyarbakir und Kars sind möglicherweise erst der Anfang. Manche sehen in den Attentaten Vorboten neuen Blutvergießens.

Ertugrul Kürkcü sorgt sich um den Frieden: „Wir bewegen uns einen Schritt nach vorn, dann zwei Schritte zurück – unter dem Strich geht es als rückwärts“, sagt der 66-Jährige. Kürkcü, Ko-Vorsitzender der pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), spricht von den Bemühungen um eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in der Türkei.

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