Kampf gegen IS
„Wir werden die Islamisten jagen wie Al-Kaida“

Barack Obama schmiedet eine Allianz gegen die Terrormiliz IS im Irak. Acht Staaten schließen sich an, auch Deutschland. Die US-Regierung erwartet militärische Unterstützung, Außenminister Steinmeier ist da zurückhaltend.
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WashingtonDie USA haben Deutschland und andere Staaten aufgerufen, gemeinsam ein Bündnis zum Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu schmieden. Die USA würden die Islamisten jagen wie Al-Kaida und ihre Anführer ausschalten, kündigte US-Präsident Barack Obama am Freitag beim Nato-Gipfel im walisisischen Newport an.

Aus Washington hieß es später, dass die Bekämpfung der Dschihadistengruppe allerdings nichts mit der Koalition beim Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 gemein habe. "Wir wollen auf keinen Fall, dass dies daran erinnert, was 2003 gemacht wurde", sagte Außenamtssprecherin Marie Harf am Freitag. Die USA wollten nicht, „dass Vergleiche angestellt werden“. Es werde nun „nicht dasselbe Strategienhandbuch“ benutzt.

Von den Partnern erwarten die USA offenbar aber nicht nur militärische Unterstützung, sondern auch andere Arten der Hilfe. Es gebe viele Möglichkeiten zu helfen, teilten US-Außenminister John Kerry und Verteidigungsminister Chuck Hagel ihren Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Australien, der Türkei, Italien, Polen und Dänemark mit. Den Einsatz westlicher Bodentruppen schloss Kerry aus: Dies sei eine rote Linie, darin seien sich alle einig.

„Diese Gruppe hier ist der Kern der Koalition“, sagte Hagel. Von ihr ausgehend werde sich ein größeres Bündnis bilden, das willens sei, das Problem anzugehen. Wie viele Staaten am Ende auch bereit sein werden, die USA bei ihren Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak zu unterstützen, blieb zunächst offen. Er hoffe, dass es den Partnern bis zur UN-Vollversammlung später im September gelingen werde, einen konkreteren Plan für den Kampf gegen die Islamisten zu entwickeln, erklärte Kerry.

Obama hatte vergangene Woche heftige Kritik geerntet, als er einräumte, dass die USA noch keine Strategie für ein Vorgehen gegen IS entwickelt haben. Kerry sagte, IS müsse vernichtet werden. „Es mag ein Jahr dauern, zwei oder drei Jahre: Aber wir sind entschlossen“, betonte der Außenminister. Ein militärisches Vorgehen allein sei allerdings nicht ausreichend, sondern müsse mit zivilen Maßnahmen verknüpft werden.

Deutschland distanziert sich von Auslandseinsätzen

Deutschland machte deutlich, dass es seine Rolle vor allem in der politischen Begleitung des militärischen Kampfes sieht. „Im übrigen geht es aber, wenn in diesem Zusammenhang von Allianz gesprochen wird, nicht um Auslandseinsätze“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. „Das ganze wird als militärische Auseinandersetzung nur erfolgreich sein, wenn es eingebettet ist in ein politisches Umfeld“, mahnte der Minister. Dazu gehörten innenpolitische Veränderungen im Irak selbst wie die Bildung einer Regierung, die alle Regionen und Religionen umfasse. Aber auch die arabischen Nachbarn müssten am Kampf gegen extremistische Gruppen mitwirken. Die Finanzierung und Unterstützung der Islamisten müsse ein Ende haben.

Die Extremisten-Miliz bedrohe nicht nur den Nahen Osten, sondern auch Europa, warnte Steinmeier. An die zehn Prozent der IS-Kämpfer stammten angeblich aus dem Ausland. Er spielte damit auf die Sorge der Sicherheitsbehörden an, westliche Extremisten könnten aus dem Bürgerkrieg in ihre Heimatländer zurückkehren und dort Anschläge verüben. Deutschland liefert Hilfsgüter und militärische Ausrüstung in den Irak. Außerdem will es den Kurden, die dort gegen die Islamisten kämpfen, panzerbrechende Waffen, Gewehre und Munition aus Bundeswehr-Depots überlassen.

Briten und Franzosen fordern langfristige Strategie

Der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident Francois Hollande mahnten nach Angaben aus Diplomatenkreisen ein überlegtes Vorgehen der USA an. Beide hätten von Obama eine langfristige Strategie eingefordert, die mehr umfasse, als Luftangriffe anzuordnen, hieß es. „Es kann nicht einfach heißen: 'Lasst uns ein paar Ziele bombardieren und schauen, was passiert'„, sagte ein Diplomat Reuters.

Frankreich ist nach den Worten Hollandes bereit, sich an einem militärischen Vorgehen gegen IS zu beteiligen. Die irakische Regierung müsse die Franzosen jedoch einladen, sagte Hollande. Cameron erklärte dagegen, es gebe noch keine Entscheidung, ob sein Land sich an den Luftangriffen beteiligen werde. „Es herrscht zunehmend das Gefühl, dass wir mehr machen müssen“, hieß es in britischen Regierungskreisen. „Aber es muss ein maßvoller Ansatz sein“. Die USA fliegen bereits seit einigen Wochen Luftangriffe auf IS-Stellungen im Nordirak und erwägen, ihre Attacken auch auf Syrien auszudehnen.

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  • Alternativlos natürlich! Denn es dient ja dem Guten!


  • "irakische Armee unterstützt werden" , aha, und wie soll das von statten gehen? Beim letzten mal sind sie ja schon vor dem ersten Schuss getürmt, samt Drucklassen neuwertiger Waffen. Inklusive der Gebrauchsanweisung. Oder haben etwa Sunniten Sunniten auf diesem Wege mit Waffen versorgt?.

  • Wie können denn geschätzte 16-17.000, andere sprechen von 20.000 ISIS-Kämpfern ein Gebiet kontrollieren das rund 1 Mio. qkm groß ist, also etwas das dreifache der BRD flächenmäßig.
    Verteilen Sie mal 20.000 Leute in Deutschland, merken Sie was?

    Dem wiederum stehen etwa mind. 20 Millionen Kurden gegenüber. Was bekommt man nur für einen Müll erzählt?

    Nazi-Deutschland hat ca. 10 Mio. Soldaten unter Waffen benötigt um diesen Wahnsinns-Krieg anzuzetteln. Und wir schaffen es nicht als Staatengemeinschaft mit diesen paar Wilden fertig zu werden.

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