Kampf gegen Islamisten
Straßenkämpfe in Mali – Geiselnahme in Algerien

In Mali beginnen französische Bodentruppen eine Offensive gegen Islamisten. In Algerien überfallen Terroristen ein Gasfeld und nehmen zahlreiche Ausländer als Geiseln. Sie sprechen von Vergeltung.
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Bamako/BerlinMit dem Eingreifen französischer Bodentruppen hat sich der Konflikt in Mali dramatisch zugespitzt. Erstmals wurden französische Spezialkräfte im Zentrum des westafrikanischen Landes in direkte Kämpfe mit islamistischen Rebellen verwickelt. Im Nachbarland Algerien wurde ein Gasfeld überfallen, Unbekannte brachten mehr als 40 Ausländer in ihre Gewalt. Die Geiselnehmer sprechen von Vergeltung – und fordern nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI ein Ende der französischen Mission in Mali. Mittlerweile gibt es Medienberichte, dass 15 Ausländer, darunter ein französisches Paar, ihren islamistischen Geiselnehmern entkommen seien. Behördenangaben zufolge war zuvor bereits 30 algerischen Arbeitern die Flucht von der Anlage im Osten Algeriens gelungen.

Zuvor hatten drei der mutmaßlichen Geiseln einen Rückzug der algerischen Armee gefordert. Ein Brite, ein Ire und ein Japaner sagten dem Fernsehsender Al-Dschasira am Donnerstag am Telefon, die rund um das Gasfeld stationierten algerischen Soldaten müssten abziehen und die Schüsse gegen die Anlage einstellen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden und eine Verhandlungslösung zu ermöglichen.

Die mutmaßlichen Geiseln wiederholten damit eine Forderung von einem der Entführer, der sich mit dem Pseudonym Abu al-Baraa präsentierte und sich zuvor auf Al-Dschasira zu Wort gemeldet hatte. "Wir fordern den Rückzug der algerischen Armee, um Verhandlungen ermöglichen zu können", sagte al-Baraa dem Sender.

Zu der Geiselnahme auf dem Gasfeld des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil im Osten Algeriens bekannte sich eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe. Diese forderte ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali. Die algerischen Einsatzkräfte umstellten das Gelände der Geiselnahme am Donnerstag.

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  • Wenn alle "unbestritten notwendigen Aufgaben" mit Einmarsch gelöst werden sollen, dann wird es ein sehr blutiges Jahrhundert.
    Aber Menschen gibt es ja genug; inzwischen kommt es auf die eine oder andere Milliarde nicht mehr an.

  • Das ist sowohl inhaltlicher als auch sprachlicher Unsinn.

  • Die Verhinderung des Entstehens einer terroristischen Basis in Mali ist unbestritten eine notwendige Aufgabe. Der französische Einmarsch ist deshalb legitim. Wünschenswert wäre allerdings eine innerafrikanische Lösung gewesen. Sie konnte es nicht geben, weil zuvor hinreichendes Engagement zugunsten der moderaten afrikanischen Staaten unterlassen worden ist. Dieser Kritik müssen sich insbesondere ehemalige Kolonialstaaten stellen: ihnen obliegen die moralische Verantwortung und die humanen Versorgungspflichten, solange die Folgen der Kolonialzeit nicht überwunden sind. In diesem Verständnis hätte Frankreichs auf eigene Kosten die notwendige Selbstverteidigungskraft zwecks Wahrung der staatlichen Integrität der moderaten Staaten müssen. Diese Pflichtleitung wurde offenkundig nicht oder halbherzig erbracht. So ist es durchaus gerecht, dass sich Frankreich nun selbst engagieren muss. An den damit verbundenen aktuellen Kosten wird Frankreich wohl die EU beteiligen wollen, obwohl die Kosten für konfliktvermeidende Prävention allein zu tragen gewesen wären. Noch vor der Beendigung des Kriegs in Mali müssen wir die richtigen Lehren ziehen: das Heranreifen von Konflikten muss durch frühzeitiges Engagement der in der Verantwortung stehenden Staaten (hier der ehemaligen und dadurch gegenwärtigen Schutz-mächte) verhindert werden. Auf der Grundlage von Vertrauen in andere Ethnien müssen wir Sicherheitspartnerschaften herstellen, anstatt durch Versäumnisse außereuropäische Konflikte nach Europa herein zu holen.

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