Kampf gegen Korruption
Das große Aufräumen in Saudi-Arabien

Mit Massenfestnahmen und Kontensperrungen geht das Königreich entschlossen gegen Korruption vor. Über 200 Menschen wurden einbestellt, verhaftet und vernommen. Es geht um 100 Milliarden Dollar Schadenssumme.
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Harsche Worte für ein Land, in dem bisher fast alles unter die Decke gekehrt wurde: Es gehe um 100 Milliarden Dollar, die durch „systematische Korruption und Unterschlagung“ dem saudischen Staat entzogen worden seien, sagte Saudi-Arabiens Generalstaatsanwalt, Scheich Saud Al Mojeb, am Donnerstag in Riad zu der beispiellosen Festnahme-Welle im Königreich.

208 Verdächtige wurden seit Sonntag früh einbestellt, verhaftet und vernommen, nur sieben bisher wieder entlassen. Seit Dienstag sind bei der saudischen Zentralbank SAMA hunderte Konten eingefroren. Unter den Festgenommenen sind so prominente Männer wie der Multi-Milliardär Prinz Al-Walid bin Talal Al Saud, Wirtschaftsminister Adel bin Mohammed Faqih, die Kommandeure der Nationalgarde und der Marine, Bakr bin Laden, der Chairman des größten Baukonglomerats der gesamten Region, der Saudi bin Laden Group, der Besitzer des TV-Senders MBC, frühere Aufsichtsräte beim Ölgiganten Aramco und der Saudi Telecom. Allein elf Prinzen sind darunter – es gibt allerdings im mächtigsten Petrostaat der Welt davon 10.000.

Während im Westen der erst am Sonnabend von König Salman zum Chef einer neuen und mit vielen Vollmachten ausgestatteten Anti-Korruptions-Kommission ernannte Kronprinz Mohammed bin Salman Al Saud verdächtigt wird, Gegner oder mögliche Rivalen aus dem Weg zu räumen, betont der Generalstaatsanwalt die strikte Einhaltung des Rechts: Alle Beschuldigten hätten alle legalen Rechte zu ihrer Verteidigung, und um sie nicht vorzuverurteilen, würden keine weiteren Namen genannt. Klar sei aber, so Saud Al Mojeb, dass es „sehr starke Beweise“ gebe und allein in den letzten drei Jahren 100 Milliarden Dollar Schaden durch Korruption und Veruntreuungen entstanden sei.

Der Generalstaatsanwalt trat zudem wachsenden Befürchtungen in der Geschäftswelt entgegen und versichert: Firmen und Banken könnten weiter ganz normal Überweisungen tätigen, es seien nur Privatkonten durch die Zentralbank SAMA eingefroren worden. Bei Unternehmern herrscht Verunsicherung, denn mit Prinz Al-Walid, dem Mehrheitseigner des größten privaten Konglomerats Kingdom Holding und seinen weitreichenden Beteiligungen an viele saudischen und internationalen Top-Firmen, sowie Bakr Bin Laden sind zwei der prominentesten privaten Geschäftsleute in Arrest. Allein der Bauriese Bin Laden beschäftigt über 100.000 Menschen.

Bin Laden war zuvor bereits wegen Baumängeln in der heiligen Stadt Mekka – wo durch einen umgestürzten Baukran Arbeiter in den Tod gerissen wurden – die Ausreise aus Saudi-Arabien verweigert worden. Das Unternehmen war in der Folge in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Der spätere und inzwischen getötete Al Kaida-Topterrorist Osama Bin Laden entstammt dieser weit verzweigten prominenten saudischen Familie.

Der erst vor wenigen Monaten – und unter Umgehung der bisherigen Rangfolge – zum Kronprinzen ernannte Mohammed bin Salman hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Vor ihm ist noch nie seit der Staatsgründung Saudi-Arabiens ein Sohn seinem Vater auf den Thron nachgefolgt. MbS, wie der Kronprinz überall im Königreich genannt wird, ist er 32 Jahre alt, der Monarch ist 81 Jahre alt.

Saudi-Arabien rangiert auf dem Korruptionsindex von Transparency International auf Rang 62 von 176 Ländern und kommt dabei auf 46 Punkte (0 ist extrem korrupt, 100 korruptionsfrei). Die benachbarten Staaten Vereinigte Arabische Emirate und Katar stehen auf dem 24. (VAE mit 66 Punkten) und 31. Rang (Katar/61).  Italien kommt auf den 60. Platz mit 47 Punkten, China auf Platz 49 mit 40 Zählern, Iran und Russland auf den 131. Rang mit nur 29 Punkten.

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  • Wann wird eigentlich in der EU aufgeräumt, man könnte doch vom Ausland lernen, immerhin gehört der Islam zu Deutschland und somit die Scharia. Also in die Kasse greifen und das Ärmchen kommt ab.

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