Kampf gegen Pleite
Irlands Finanzminister bettelt um Vertrauen der Märkte

Das Misstrauen an den Märkten gegenüber Irland ist weiter gewachsen. Die EU erklärte sich bereit, dem Land zur Not unter die Arme zu greifen. Doch diesen Fall will der Finanzminister der Inselrepublik vermeiden - mit einem eindringlichen Appell an die Märkte.
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HB DUBLIN. Angesichts der gestiegenen Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen hat der Finanzminister der Inselrepublik um das Vertrauen der Märkte geworben. Irland sei in der Lage, seinen angeschlagenen Haushalt aus eigener Kraft in den Griff zu bekommen, sagte Brian Lenihan am Donnerstag in Dublin. Die Volatilität der irischen Staatsanleihen sei der Unsicherheit geschuldet, die wegen der Schuldenkrise in der Eurozone herrsche.

Lenihan begrüßte die Äußerungen von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso beim G20-Gipfel in Seoul, wonach die Gemeinschaft Irland zur Not unter die Arme greifen werde. Der EU-Behörde zufolge hat das hoch verschuldete Irland aber bislang nicht um Finanzhilfe gebeten. Im Mai hatte die EU zum Höhepunkt der Schuldenkrise einen Schutzschirm für Euro-Staaten aufgespannt.

Am Donnerstag war das Misstrauen an den Märkten gegenüber Irland weiter gewachsen. Der Risikoaufschlag (Spread) bei zehnjährigen irischen Bonds zur Bundesanleihe erreichte ein Rekordhoch.

Die EU-Kommission betonte, dass noch noch nicht um Finanzhilfe gebeten worden sei. Eine entsprechende Anfrage gebe es nicht, sagte Kommissions-Sprecher Olivier Bailly am Donnerstag. Die EU verfüge aber über alle nötigen Mittel, sollte Hilfe nötig werden. Im Mai hatte die EU zum Höhepunkt der Schuldenkrise einen Schutzschirm für Euro-Staaten aufgespannt. Einen Medienbericht, wonach Euro-Länder prüften, ob Irland diese Hilfen in Anspruch nehmen müsse, wies eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums zurück. „Das ist Unsinn“, sagte sie. Man habe Vertrauen, dass Irland seine Konsolidierung erfolgreich umsetzen werde.

Auch Griechenland hat noch mit den Krisenfolgen zu kämpfen. Die Zahl der Arbeitslosen in Griechenland ist im August nach jüngsten Angaben auf einen Rekordstand gestiegen. Wie das Statistikamt in Athen am Donnerstag mitteilte, lag die Quote bei 12,2 Prozent, nach 9,0 Prozent im Vorjahresmonat und 12,0 Prozent im Juli. Das war der höchste Stand, seitdem Griechenland 2004 begann, die Quote monatlich zu berechnen. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die Schuldenkrise und der damit verbundene Sparkurs der Regierung weiter auf den Arbeitsmarkt durchschlägt.

Europäische Union und Internationaler Währungsfonds (IWF) erwarten, dass die Arbeitslosigkeit in Griechenland 2011 bis auf 14,5 Prozent steigen wird. Vor allem jüngere Menschen sind davon betroffen: Bei den 15- bis 24-Jährigen beträgt die Quote aktuell 30,8 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen 16,4 Prozent. Zudem sind von der Jobkrise vor allem Beschäftigte im Baugewerbe sowie in Tourismus und Einzelhandel betroffen. Im EU-Vergleich rangiert Griechenland bei der Arbeitslosigkeit hinter Spanien, der Slowakei und Irland auf Rang vier. In Deutschland lag die Quote laut Eurostat im August bei 6,8 Prozent, in der EU im Durchschnitt bei 9,6 Prozent.

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  • Schnell geraten viele Dinge in Vergessenheit...

    Euch Deutschen wurde bereits geholfen. ich erinnere an den Schuldenerlass nach dem 2. Weltkrieg. Da wart ihr Deutschen in Not. Die junge deutsche Demokratie sollte nicht mit der Schuldenlast leben müssen (ich meine richtige Geldschulden - keine moralische Schuld). in Not seid ihr aber vorsätzlich und selbst verschuldet hineingeraten.

    Nach der Diktion vieler heutigen Deutschen hätte man euch nicht helfen dürfen. Schließlich hattet ihr nicht nur eurer eigenes Land zerstört, sondern auch noch ganz Europa. iren. Griechen und Portugiesen haben "lediglich" mehr Geld ausgegeben, als sie hatten - und auch noch eure Produkte gekauft. Aber das wird sich ändern.

    Die USA kommen wieder.

  • ist die Dose der Pandorra erst einmal geöffnet (EU-Schirm Griechenland, kommt der nächste mit irland, und danach Portugal, und danach Spanien, und danach Ungarn, und danach italien und danach.... kann Deutscjhland das sowieso nicht mehr bezahlen. bevor also einer dieser Pleitestaaten aus der €-Zone ausschert, sollten wir es lieber gleich machen. Das kommt uns billiger, ausserdem, glaubt denn auch nur ein Mensch mit einem bisschen Verstand, dass irgendwann mal Deutschland geholfen werden würde? ich nicht, von wem denn?

  • Eine gemeinsame Währung braucht auch ein Mindestmaß an Steuerharmonisierung.

    Aus diesem Grunde müssen die PiiGS-Staaten wie auch Frankreich und Deutschland die MwSt schrittweise auf den derzeitigen EU-Höchstsatz von 25% erhöhen.

    Ebenso ist eine Harmonisierung der besteuerung (bzw. belastung mit Abgaben) der fossilen Energieträger dringend geboten.

    Damit könnte die einzelnen Mitgliedsstaaten die fiskalischen Zwänge überwinden.

    Dr. L.P. Häußner, Karlsruhe

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