Kampf gegen Rezession
Obama erwägt Verdoppelung seines Pakets

Die Bundesregierung will abwarten, wie Barack Obama nach seinem Amtsantritt am 20. Januar die Rezession bekämpfen wird – doch längst ist klar, dass der zukünftige US-Präsident schwerste Geschütze auffährt.

DÜSSELDORF. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ aus Obamas Übergangsteam in Chicago plant er ein zweijähriges Konjunkturprogramm von bis zu 1,2 Bill. Dollar.

Vor zwei Wochen war noch von einem Paket im Volumen von rund 500 Mrd. Dollar die Rede gewesen. Nun jedoch hielten seine Mitarbeiter selbst 600 Mrd. nicht mehr für ausreichend, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das endgültige Volumen werde sich voraussichtlich auf 600 Mrd. Dollar für 2009 und – je nach Entwicklung der Lage – 300 bis 600 Mrd. im Folgejahr belaufen. Lawrence Summers, designierter Vorsitzender des National Economic Councils, soll in den nächsten Tagen dazu die Meinung von liberalen und konservativen Ökonomen einholen.

Offenbar hat sich im Obama-Lager die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Verbraucher einen Teil der Mittel aus dem Konjunkturpaket sparen werden, statt damit den Konsum anzuschieben. Obama hatte bereits angekündigt, dass seine Maßnahmen neben Steuersenkungen vor allem massive Investitionen in Straßen, Schulen, Breitbandnetze, Umweltschutzprojekte und Gesundheitsinformationssysteme beinhalten sollen. „Wir brauchen den größten Investitionsschub in unsere Infrastruktur seit dem Baubeginn der Autobahnen in den 1950er-Jahren“, betonte der künftige US-Präsident.

Vor allem vom Arbeitsmarkt waren zuletzt ständig neue Hiobsbotschaften gekommen. Allein in der ersten Dezember-Woche stellten 573 000 Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe – so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr. Aber dennoch lassen sich viele Amerikaner das Weihnachtsfest nicht vermiesen: Trotz Rezession und Entlassungswelle haben sie zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts mehr Geld in die Hand genommen. Der Einzelhandel setzte im November 0,2 Prozent mehr um als im Vormonat. Gleichzeitig hellte sich die Stimmung im Dezember angesichts fallender Benzinpreise, massiver Rabattaktionen im Einzelhandel und sinkender Inflationserwartungen auf. Der Index für das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan stieg nach ersten Berechnungen auf 59,1 von 55,3 Punkten im Vormonat.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%