Kampf gegen Schuldenkrise

Trichet fordert ein europäisches Finanzministerium

Karlspreisträger Jean-Claude Trichet will eine Notbremse für unverbesserliche Schuldensünder in Europa. Der Präsident der Europäischen Zentralbank plädiert dafür, eine direkte Einflussmöglichkeit auf die Volkswirtschaft zu schaffen.
Update: 02.06.2011 - 15:42 Uhr 43 Kommentare
Wie Jean-Claude Trichet den Karlspreis verliehen bekam
European Central Bank (ECB) President Jean-Claude Trichet smiles after receiving the Charlemagne Prize 2011 in the western German city of Aachen
1 von 6

Jean-Claude Trichet ist der diesjährige Empfänger des Aachener Karlspreises. In seiner Rede sprach sich der EZB-Präsident für ein europäisches Finanzministerium aus.

European Central Bank (ECB) President Trichet receives the Charlemagne Prize 2011 from Mayor Philipp in the western German city of Aachen
2 von 6

Hier wird Trichet seine Medaille von Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp umgehängt. Der Franzose bekam die Auszeichnung für Verdienste um die Stabilisierung des Euroraums in der Finanzkrise.

Karlspreis für Jean-Claude Trichet
3 von 6

Danach folgte ein Foto mit Philipp und dem Sprecher des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden (l.).

Karlspreis für Jean-Claude Trichet
4 von 6

Die Laudatio hält der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso.

European Central Bank President Trichet and his wife Aline leave the townhall after he received the Charlemagne Prize 2011 in the western German city of Aachen
5 von 6

Begleitet wurde Trichet in Aachen von seiner Frau Aline.

Germany Charlemagne Prize Trichet
6 von 6

Gäste der Veranstaltung waren unter anderem Hans-Dietrich Genscher, Horst Köhler, und Finanzminister Wolfgang Schäuble, der bei Trichets Rede mit Sicherheit ganz genau hingehört haben dürfte.

AachenFalls die Länder die mit finanziellen Hilfen verbundenen Auflagen nicht erfüllten, solle Europa die Möglichkeit zum Einschreiten bekommen, sagte der Preisträger beim Festakt der Verleihung in Aachen. Mit dieser Idee wolle er die Balance herstellen zwischen der Unabhängigkeit der Länder und der Abhängigkeit ihres Handelns. "Das bisher Erreichte in der Wirtschafts- und Währungsunion wurde durch die starken Institutionen der Währungsunion ermöglicht", sagte Trichet. Um allerdings die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, müssten diese Institutionen mit weiteren Handlungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Der EZB-Präsident erhielt den Karlspreis als Hüter des stabilen Euro und für seine Verdienste um Währungsunion und europäische Wettbewerbsfähigkeit, auch in schwierigen Zeiten, hieß es in der Begründung.

Der EZB-Präsident wiederholte seine Forderung nach einem verschärften Umgang mit hoch verschuldeten Euro-Ländern. In einem ersten Schritt sollten sie finanziell unterstützt werden, damit sie selbst Korrekturen vornehmen könnten, argumentierte Trichet. So könne ein Übergreifen von Krisen auf andere Länder vermieden werden.

Falls diese Maßnahmen erfolglos blieben und ein Land nicht den geforderten Sparschritten nachkomme, regte Trichet einen direkten Einfluss der Euro-Institutionen auf die Wirtschaftspolitik des betroffenen Landes an. Wenn ein in der Krise steckendes Land durch sein Handeln anderen Mitgliedern schade, könne Europa in außergewöhnlichen Situationen auf die betroffene Volkswirtschaft durchgreifen, schlug Trichet vor. Dann könnte beispielsweise der Europäische Rat - nach einem Vorschlag der EU-Kommission in Zusammenarbeit mit der EZB - verpflichtende Wirtschaftsentscheidungen für das Land treffen. Dabei könnte es um die Ausgabenpolitik oder die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gehen. "Mit einer solchen zweiten Stufe würden wir das derzeitige System aus Überwachung, Empfehlungen und Sanktionen grundlegend ändern", sagte Trichet.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kampf gegen Schuldenkrise - Trichet fordert ein europäisches Finanzministerium

43 Kommentare zu "Kampf gegen Schuldenkrise: Trichet fordert ein europäisches Finanzministerium"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich rate dringend von Ihrem Vorhaben ab, braun zu wählen. Die sog. "Braunen" legitimieren mit zahlreichen rückwärtsgewandten Positionen immer wieder zu berechtigter Kritik und behindern nicht nur die Gründung einer erfolgreichen konservativen Partei außerhalb des jetztigen Parteienspektrums, sondern auch Meinungspluralismus innerhalb der Etablierten. Damit erfüllen sie zugunsten der Etablierten eine Bollwerkfunktion. Sollte sich eine demokratisch und zukunftstaugliche sechste Partei gründen, so muss sie sich mit ganzer Kraft gegen das Infiltrieren von Antisemitismus, NS-Verherrlichung dgl. entschieden wehren. Allerdings sehe ich den dringlichen Bedarf einer Neugründung nicht, weil die Mitgliedschaften der etablierten Parteien zunehmend Kritikfähigkeit gegen die Führung entwickeln. Davon erwarte ich eine Rückbesinnung (im Sinne eines Beispiels) auf die erfolgreiche Europapolitik der vormaligen EWG.

  • die "Demokratie" ist schon laengst zerstoert, Ihr koennt waehlen wen Ihr wollt, die sind alle im gleichen Club... das Grundgesetz, Lissabonner Vertraege werden ausgehebelt und gebrochen ohne dass die Verbrecher auch nur im geringsten zur Rechenschaft gezogen werden, Bundeswehr soll in Zukunft auch national zum Einsatz kommen, sie rechnen schon mit einem Aufstand und treffen die Vorbereitungen, dazu zaehlen z. B. auch die Anti-Terrorgesetze...
    Wir sind schon laengst zu einem Bundesland degradiert worden, mit der Aufgabe als Zahlmeister fuer alle zu fungieren, bis auch Deutschland so verschuldet ist, dass bei uns auch alles privatisiert werden muss...
    Menschen die sich, hoffentlich sehr bald, gegen diese Versklavung wehren, werden dann als Terroristen behandelt, es werden bald mehr und groessere Gefaengnisse gebaut werden muessen...
    Man sollte jetzt wirklich anfangen zu ueberlegen, wie man das Ganze vielleicht noch verhindern kann, sonst ist es vielleicht sehr bald zu spaet dafuer...

  • DER EURO IST NUR EIN STÜCK DRECK WIE SEINE ERFINDER UND VERTEIDIGER, mehr nicht.
    Und er wird schon bald mit selbigen dort sein wo er hingehört unter unseren Füßen.

    Und vergeßt mir nicht den vom Altersstarrsinn erlösten Trichet vom Seil zu schneiden, sonst fängt der noch an zu stinken, bei dem Wetter.

  • "Um allerdings die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, müssten diese Institutionen mit weiteren Handlungsmöglichkeiten ausgestattet werden."

    Das es keinen europ. Bundesstaat gibt, kann es kein europ. Finanzministerium mit derartigen Kompetenzen geben. Dazu reicht ein Blick in unser GG und das Urteil des BVerfG vom 30.06.2009! Nigel Farage hat völlig recht!Sie wollen die Demokratie zerstören, aber das werden wir nicht zulassen!

  • Schulden und CDS-Wetten in AberbillionenHöhe sind der Garant für Frondienste über Generationen.
    Das dies mit militärischer Gewalt einst abgepresst wird hat dieser Herr heute angedeutet.
    Karlspreis ins Gegenteil verkehrt. Wie lange schon!

  • Hier wird sich nichts ändern, garnichts.
    Selbst bei Heuerswerda und Rostock haben sie dem Treiben Tatenlos zu gessehen, so ticken nun mal deutsche Beamte.

  • Das wird viel zu teuer.
    Ab in einen Bundeswehr-Transportflugzeug und ab nach Afghansitan ohne jede Rückkehrmöglichkeit.
    Dann können diese Herren und Damen mal zeigen ob sie auch wirklich richtig arbeiten können

  • Vollste Zustimung.
    Die ganzen derzeitigen nichtsnutzigen Akteure sind nur derart größenwahnsinig, dass sie das nicht begreifen.Größenwahn hat Europa schon einmal in einen schrecklichen Krieg gestürzt.
    Damals waren es Nationalsozialisten, heute Sozialisten. Diktatoren sind beide.
    Denn Sozialismus und Demokratie schließen sich definitiv aus
    „Das sozialistische Element im Nationalsozialismus, im Denken seiner Gefolgsleute, das subjektiv Revolutionäre an der Basis, muß von uns erkannt werden.“ - Willy Brandt

  • Ich werde braun wählen. Aus Notwehr! Nicht aus Überzeugung. Und ich empfehle es jedem anderen auch. Anders werden wir diesen Dreck nicht los!

  • BITTE Kaiser Wilhelm du sollst auferstehen und Merkel zur Hölle jagen!!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%