Kampf gegen Staatspleite: Griechenland startet den Schuldentausch

Kampf gegen Staatspleite
Griechenland startet den Schuldentausch

Die griechische Regierung hat ihr Angebot zum Schuldentausch veröffentlicht. Gläubiger können ab sofort ihre alten Staatsanleihen in neue tauschen - und sollen dabei auf bis zu 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten.
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AthenDie griechische Regierung hat am Freitag Banken und anderen privaten Finanzhäusern das offizielle Angebot zum Schuldenschnitt unterbreitet. Das entsprechende zehnseitige Dokument wurde vom Ministerrat gebilligt und am Abend auf einer Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer Sprache veröffentlicht.

Das Programm läuft bis 2042. Die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von 2 Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen - bis 2020 auf 3,0 Prozent, 2021 3,65 und danach 4,3 Prozent. Verzicht und veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten auf einen Verlust von mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen. Das Angebot sieht vor, dass die privaten Gläubiger auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte. Der Schuldenschnitt betrifft ausstehende Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 206 Milliarden Euro. Die griechische Schuldenlast soll durch den Gläubigerverzicht um 107 Milliarden Euro schrumpfen.

Besondere Regeln, die etwa Kleinanleger vom Schuldenschnitt ausnehmen könnten, hatte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos zwar einmal angedeutet. Doch zumindest in den am Freitagabend veröffentlichten Dokumente findet sich nichts zu einer Sonderregelung.

Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie neue Wertpapiere. In Form einer 30-jährigen griechischen Anleihe mit EFSF-Absicherung fließen 31,5 Prozent, in Form von EFSF-Papieren mit ein oder zweijähriger Laufzeit weitere 15 Prozent. Zusätzlich gibt es zu der griechischen Anleihe ein Wertpapier, das vom Wirtschaftswachstum Griechenlands abhängt. Für die neuen Anleihen wird englisches Recht gelten. Zu den Tauschangeboten werden Details auf einer Website veröffentlicht werden.

Der Internationale Bankenverband IIF rechnet mit einer hohen Beteiligung der privaten Investoren an dem freiwilligen Forderungsverzicht zugunsten Griechenlands. Allerdings wollte sich Geschäftsführer Charles Dallara am Freitag in Mexico City am Rande der G20-Finanzministerkonferenz nicht auf eine konkrete Quote festlegen. „Ich könnte eine Zahl nennen, möchte das aber nicht“, sagte er.

Stimmen weniger als 75 Prozent dem Umtauschangebot zu, wird die griechische Regierung den Schuldenschnitt zwangsweise durchführen. Bei einer Beteiligungsquote von 75 bis 90 Prozent hält sich die Regierung die Option zumindest offen. Machen mehr als 90 Prozent mit, kommt der Rest ungeschoren davon.

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Zwanghafte Umschuldung bleibt eine Option

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  • Die Darstellung der Umschuldung ist fehlerhaft: es wird keine Absicherung der neuen Anleihe durch den EFSF geben (das war mal ein Denkmodell, das aber verworfen wurde), sondern nur die EFSF-Anleihe als Teil des Pakets. Ansonsten würde der EFSF ja auch mit 2 mal 30 Mrd eingebunden.

  • Der erste marktbezogene und richtige Beitrag kommt von pleiti:
    Alles korrekt beschrieben. Nur die Definition von Zwangsumtausch steht noch zur Diskussion. Auch eine nachträgliche Rechtsänderung, welcher mehr als 50% der Gläubiger zustimmen, ist nach ISDA m.E. freiwillig. Somit wird es wohl nicht zu einem Zwangsumtausch kommen.

  • Alles nur Bluff,

    gibt es einen Zwangsumtausch, werden alle griechische Anleihen auf SD gesetzt. Dann können diese nicht mehr als Sicherheit bei er EZB eingesetzt werden. Dann sind alle griechischen Banken pleite. Die werden doch nur von EZB gehalten. Auch hinter den Verbindlichkeiten der griechenischen Notenbank an andere Notenbanken stehen als Sicherkeit ebenfalls Staatsanleihen. Auch diese fallen.
    Dann ist auch die EZB pleite und muss von den nationalen Notenbanken aufgefangen werden.

    Dann ziehen sofort die CDS. Und wer borgt Griehenland dann überhaupt jemals noch Geld ? Dann kann die EU für die nächsten 100 Jahre Griechenland finanzieren.

    Darum glaube ich an keinen Zwangsumtausch.




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