Kampf gegen Steuervermeidung
EU will mehr Transparenz schaffen

Die EU hat der Steuervermeidung den Kampf angesagt. Derzeit untersucht die Kommission in allen 28 Mitgliedsstaaten Absprachen von Firmen und Behörden. Als nächstes will Brüssel für mehr Transparenz sorgen.
  • 2

BrüsselDie EU-Kommission will im Kampf gegen Steuervermeidung mehr Transparenz in der Europäischen Union schaffen. So schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch vor, dass die nationalen Behörden künftig automatisch alle relevanten Steuervorbescheide mit den anderen EU-Mitgliedsländern austauschen müssen.

Ziel der Maßnahmen soll sein, die Umgehungsstrategien von Firmen bei der Besteuerung auszuhebeln, durch die dem Fiskus nach Brüsseler Angaben jedes Jahr Einnahmen in Milliardenhöhe durch die Lappen gehen. Künftig sollen die EU-Staaten deshalb alle drei Monate Informationen zu jenen Steuervorbescheiden abgleichen, die grenzüberschreitende Wirkung haben. Ein betroffenes Mitgliedsland kann dann bei Bedarf weitere Details anfordern. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Ort, an dem Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften, auch der Ort ist, an dem sie besteuert werden“, sagte der für Steuerfragen zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici.

Die Brüsseler Behörde will zudem Zinsbesteuerungsrichtlinie zurückziehen, da ihre Bestimmungen in umfassenderen EU-Vorschriften aufgegangen seien. Durch die Aufhebung der Richtlinie könne zusätzlicher Aufwand für Behörden und Unternehmen vermieden werden.

Auch prüft die EU-Kommission, ob nicht mehr Informationen zur Besteuerung internationaler Konzerne offengelegt werden sollten. Allerdings müsse zuvor analysiert werden, welche Auswirkungen dies beispielsweise auf den Datenschutz und die Wahrung von Betriebsgeheimnissen habe. Die Kommission will darüber hinaus den Verhaltenskodex zwischen den EU-Staaten bei der Firmenbesteuerung reformieren sowie die zuständige Arbeitsgruppe stärken. Auch soll in Zusammenarbeit mit dem EU-Statistikamt Eurostat die Datenlage verbessert werden, um die Auswirkungen von Steuervermeidung besser abschätzen zu können. Bis Sommer will die EU-Kommission weitere Vorschläge für Maßnahmen bei der Unternehmensbesteuerung präsentieren.

Die Vorschläge müssen noch mit den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament abgestimmt werden, bevor sie in EU-Recht gegossen werden können. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Maßnahmen dann ab dem 1. Januar 2016 greifen.

Seit Dezember untersucht die Brüsseler Behörde in allen 28 EU-Staaten die Absprachen von Firmen und Steuerbehörden. Das Thema wurde zuletzt auch für die Kommission selbst brisant, nachdem ihr Präsident Jean-Claude Juncker wegen Steuerabsprachen von Unternehmen in seiner Heimat Luxemburg unter Druck geraten war.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kampf gegen Steuervermeidung: EU will mehr Transparenz schaffen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieviele Jahre hören wir das schon?
    Tut sich was? NEIN!

    Alles leere Worthülsen mit dem Hintergedanken, dass die Steuerkuh wieder ihrer Hauptbeschäftigung nachgeht die da heißt, Wampe vollschlagen!

    DieEurokraten bekommen ja nicht einmal gebacken, dass große Konzerne ihre Briefkastenfirmen nach wie vor weiter betreiben. Im eigentlichen Land, wo der Euro rollt, zahlen die so gut wie keine Steuer!!Benutzen aber alle Infrastrukturen im Land!

    Also beginnt in Brüssel einfach mal bei denen, die es mit Winkelzügen schaffen alles am Fiskus vorbei zu schleusen! Damit könnte man so manche Straße sanieren!

    Aber ob da Junkers der richtige Mann ist bezweifle ich sehr!!

  • "Die EU hat der Steuervermeidung den Kampf angesagt." Ein gutes Thema! Geht man davon aus, dass kein einziger Privater oder Unternehmer in der Lage war und ist irgendeinem Steuergesetz zu erlassen, dann können wir die Täterschaft stark eingrenzen. Die Täter sind die Steuerbeamten einerseits und die Politiker andererseits. Sie sind zu identifizieren und und mich wichtigen Aufgaben in den Straßenkehrdiensten der Stadtverwaltungen zu betrauen. Beamte sind per Definition überall einsetzbar. Letztlich besagt dies nichts anderes als dass es in Politik und Steuerverwaltung viele freie Stellen, vor allem in den Spitzenpositionen gibt. Man muss nur darauf achten, dass sich keiner der genannten unbemerkt vom Acker schleicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%