Kampf gegen Terror
Barack Obama - der einsame Sieger

Amerika kämpft erfolgreich gegen den Terror, Deutschland diskutiert den Rückzug aus Afghanistan und die Anti-Terror-Gesetze. Der Tag der Freude ist deshalb auch ein Tag der Scham.
  • 28

Darf man sich über den Mord an einem Menschen freuen? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die etwas längere Antwort: In diesem Fall ja, denn mit dem gewaltsamen Ableben von Osama Bin Laden verbindet sich die Hoffnung, der eine Tod möge viele andere Tode verhindern. Was der liebe Gott zu dem Argument sagen würde, wissen wir nicht. Aber zumindest die katholische Kirche taucht den Tyrannenmord in ein mildes Licht.

Politisch und militärisch wurde das Durchhalten der USA im Anti-Terror-Kampf jetzt belohnt. Die Weltmacht hat in Pakistan Führung gezeigt, als alle anderen Alliierten sich in die Büsche schlugen. Nicht in die kratzigen Büsche des pakistanischen Hochlandes, wohlgemerkt, denn dort sind die europäischen Verbündeten nie angekommen. Ihre Büsche waren die Rhododendren vor Kanzleramt, Downing Street No. 10 und Élysée-Palast. Den neuen Frontabschnitt im Krieg gegen den Terror – nach Afghanistan zogen Armee und CIA auch in Pakistan ein – mussten die USA schon ohne ihre Nato-Verbündeten eröffnen. „This is the war we have to win“, rief Obama bereits, als er sich um den Einzug ins Weiße Haus bewarb. Aber so euphorisch Europa ihm auch huldigte, diese Botschaft wurde überhört. Einige taten sogar überrascht, als die USA tatsächlich mit unbemannten Drohnen und einer hohen Zahl von Spezialeinsatzkräften im pakistanischen Bergland ihre Operation begannen.

Die USA haben dort allein gekämpft, weshalb sie auch den Lorbeer für das Aufspüren und Ausschalten Bin Ladens nicht teilen müssen: Glückwunsch, Amerika! Dein Weltmachtgen ist intakt. Mag der Dollar schwach und die amerikanische Haushaltslage angespannt sein, das Militär ist auf Zack. Deutschland produziert die besten Autos, China die billigsten Weihnachtsmänner, Amerika aber ist der Exportweltmeister in Sachen Sicherheit. Dieses Produkt ist zwar verdammt teuer, es ist nicht immer schön anzusehen, aber es funktioniert so zuverlässig wie Ebbe und Flut.

Der amerikanische Erfolg muss uns Europäer freuen – und zugleich beschämen. Ein Kontinent, der nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft den USA ebenbürtig ist, besitzt erkennbar nicht den Willen, sich selbst, seine Werte und seinen Wohlstand zu verteidigen. Die Mehrzahl der Europäer, da sind die Deutschen nicht allein, weigert sich, die zentrale Erkenntnis dieses nun zehn Jahre währenden Kampfes gegen den internationalen Terrorismus anzunehmen: Dieser Krieg ist kein Krieg, wie wir ihn aus unseren Geschichtsbüchern kennen. Es gab keine Kriegserklärung, und es wird niemals eine Kapitulationsurkunde geben. Der Gegner trägt weder Helm noch Kampfanzug, er weiß nicht mal, wie man einen Panzer unfallfrei durchs Gelände bewegt. Er schnallt sich morgens einen Bombengürtel um und besucht den nächstgelegenen Marktplatz. Er lernt im Internet, wie man eine Bombe bastelt, und versucht, morgendliche Pendlerzüge in die Luft zu jagen. Dieser Krieg kann nicht gewonnen und darf dennoch nicht verloren werden. Das Ticken ist die Bombe, das Harmlose ist das Verdächtige. Unser Nichtverstehen ist der beste Komplize der Terroristen.

Seite 1:

Barack Obama - der einsame Sieger

Seite 2:

Kommentare zu " Kampf gegen Terror: Barack Obama - der einsame Sieger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • as was hier an vielen vorbeizugehen scheint, ist, dass die fanatischen terroristen sich nicht zur ruhe gesetzt hätten wäre die usa nicht in afghanistan/irak einmaschiert. Das grundlegende problem ist die kluft zwischen arm und reich und die globalisierung die dieses problem der schichtenbildung vom eigenen land - welches man noch einfacher kontrollieren kann - auf eine globale ebene verschiebt. Natürlich spielen auch noch andere faktoren eine rolle. Aber mit dem wirklich blöden geschwätz, dass man nun eben diese fanatiker die sich mit oder eben durch osama bin laden eine götzenfigur erschaffen haben, nicht mit gewalt bekämpfen sollte, sondern mit diplomatischen oder anderen methoden ist einfach nur weltfremd. Nun hat ma der hydra also den kopf abgehack - jetzt ist die aufgabe eben aufzupassen, dass nicht zwei nachwachsen. ohne den kopf bzw. köpfe abzuschlagen hätte man vielleicht auf ganz lange sicht erfolg haben können jedoch nicht ohne weitere kollateralschäden in westlichen ländern.

    schön dann natürlich die rolle der europäer die erst nicht mitmachen wollen oder dann - siehe beispiel spanien - nach eigenen anschlägen jegliche operationen beenden. das dann am ende der dreck am größten schuh stecken bleibt ist klar. und dann muss amerika wieder die böse "weltpolizei" rolle übernehmen.

    wenn jemand auf der strasse - oder im bahnhof verprügelt wird laufen auch die meisten leute vorbei. genauso wenn ca. 3000 menschen in den zwillingstürmen getötet werden. lieber nix machen sonst könnte ich ja was abekommen ...

    aber hier in deustchland können wir schön meckern solange uns selbst nix passiert. wären am 11.09. 3000 deutsche getötet worden und besonders familienmitglieder der hier ach so weltbewandten mitbürger und deutschland wäre der innbegriff des kapitalismus (wo wir uns nun wirklich auch nicht sehr viel von der usa unterscheiden), dann wären sie auch anderer meining.

    naja nebendran stehen und zusehen konnten wir deutschen schon immer gut

  • Frau Merkel freut sich ständig über irgend etwas. diese Floskel ist ihr zu zweiten Natur geworden. Wahrscheinlich freut sie sich auch über ihre Niederlage 2013.

  • Eine Festnahme anstelle einer Hinrichtung vor Ort wäre wahrscheinlich möglich gewesen allerdings auf die Gefahr hin, dass in einem ordentlichen Verfahren zu viel schmutzige Wäsche gewaschen worden wäre.
    Ein ordenlicher Prozess, wie der Eichmann Prozess in Israel mit einem angemessenen und gerechten Urteilsspruch, diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei.
    Der finale Todesschuß ohne lästiges Gerichtsverfahren ist heute das gängige Verfahren. Die Rechtskultur zivilisierter Staaten kann man wohl in den Wind schreiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%