„Kampf gegen Terror“
China meldet 200 Festnahmen in Unruheregion

Nach der Anschlagswelle verkündet die Polizei in Nordwestchina schnelle Fahndungserfolge. Landesweit werden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Der „Kampf gegen den Terror“ wird Alltag in China.
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PekingAls Reaktion auf die Serie von Anschlägen durch mutmaßliche uigurische Attentäter hat die Polizei in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina in diesem Monat mehr als 200 Verdächtige festgenommen. 23 „terroristische und extremistische religiöse Gruppen“ seien in den zumeist uigurisch bewohnten Präfekturen Hotan, Kashgar und Aksu ausgeschaltet worden, berichteten Staatsmedien am Montag. 200 Sprengsätze seien sichergestellt worden.

Bei dem blutigsten Anschlag seit fünf Jahren waren am Donnerstag in Ürümqi, der Hauptstadt der Region, nach offiziellen Angaben 39 Menschen ums Leben gekommen. Ferner starben vier Attentäter. Einer wurde festgenommen.

Wegen der Spannungen zwischen der muslimischen Minderheit der Uiguren und den Han-Chinesen gilt die Region Xinjiang schon lange als Konfliktherd. Immer wieder kommt es zu blutigen Zwischenfällen. Ressentiments und Vorurteile sitzen auf beiden Seiten tief. Bei Zusammenstößen wurden 2009 in Ürümqi rund 200 Menschen getötet. Das muslimische Turkvolk fühlt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Umgekehrt wirft Chinas Regierung uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Am Freitag startete die Regierung eine einjährige Anti-Terror-Kampagne in Xinjiang. Auch landesweit sind die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden. Bewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen patrouillieren die U-Bahnen in den Metropolen, kontrollieren Reisende auf Bahnhöfen oder demonstrieren verstärkt Präsenz auf den Straßen. China erhöhe nicht nur zeitweise die Sicherheitsstufe, sondern mache den „Kampf gegen den Terror“ zum Alltag, schrieb die Staatsagentur Xinhua. „Solche Bemühungen sind notwendig geworden, weil das Land anhaltend terroristische Angriffe erlebt.“

Da Polizisten in China nicht grundsätzlich bewaffnet sind, hat das Polizeiministerium ein dreimonatiges Trainingsprogramm für die Gesetzeshüter im Umgang mit Waffen gestartet, wie Xinhua berichtete. Seit März habe es in 20 Provinzen, Regionen und Städten auch Anti-Terror-Übungen gegeben.

Seit dem ersten schweren Anschlag Anfang März im Bahnhof der Stadt Kunming in Südwestchina, wo 29 Menschen und 4 Angreifer getötet wurden, gehen die Sicherheitskräfte intensiv gegen mutmaßliche Extremisten vor. Wie viele der jetzt für den ganzen Monat Mai verkündeten Festnahmen in Xinjiang schon vor dem jüngsten Anschlag in Ürümqi gemacht wurden, blieb unklar.

Seit Donnerstag seien „rasch eine Reihe gewalttätiger Terrorgruppen zerschlagen“, mehrere Verdächtige festgenommen und Sprengsätze sichergestellt worden, zitierte Xinhua die Polizeibehörden. Viele der Festgenommenen seien in ihren 20ern oder 30ern und hätten Terrorvideos geschaut und gelernt, wie Sprengsätze gebastelt werden, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Polizeibehörden. Über „illegale Predigerstätten“ und Kurznachrichten oder Chat-Programme hätten sie den „Heiligen Krieg“ propagiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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