Kampf gegen Terror
Pakistan jagt Taliban mit Millionen-Kopfgeld

Die pakistanische Regierung hat insgesamt fünf Millionen Dollar Kopfgeld auf die Führung der pakistanischen Taliban-Bewegung ausgesetzt. Unterdessen kamen am Montag bei einem Selbstmordanschlag in der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi mindestens 28 Menschen ums Leben.
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HB ISLAMABAD. In Zeitungsanzeigen der Regierung hieß es am Montag, für Hinweise, die zur Festnahme oder zum Tod des Chefs der pakistanischen Taliban-Bewegung (TTP), Hakimullah Mehsud, und zwei weiterer hochrangiger Kader führten, würden jeweils 600 000 Dollar bezahlt. Das sind umgerechnet rund 408 000 Euro. Auf 16 weitere Anführer der Aufständischen wurden Kopfgelder zwischen 119 500 Dollar und 239 000 Dollar ausgelobt. „Helfen Sie der Regierung, sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen“, heißt es in den Anzeigen.

In Anlehnung an den Koran trugen die Zeitungsanzeigen der Regierung die Überschrift: „Und verbreite kein Chaos im Land.“ Im Text hieß es, die Taliban trieben unschuldige Muslime in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze in das „Tal des Todes“.

Die Armee hatte vor gut zwei Wochen eine Offensive gegen die Taliban im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan begonnen. Nach Angaben der Streitkräfte wurden bei Gefechten seitdem mehr als 330 Taliban-Kämpfer und mindestens 36 Soldaten getötet.

Die Aufständischen haben ihre Anschläge seit Beginn der Offensive weiter verschärft. Bei einem Anschlag am Montag in der Garnisonsstadt Rawalpindi wurden mindestens 30 Menschen getötet. „Dutzende Menschen wurden verletzt“, sagte Nayyar Ali Babar, ein Sprecher der Rettungskräfte. Die Vereinten Nationen teilten mit, sie schränkten ihre Entwicklungshilfe im Nordwesten des Landes aus Sicherheitsgründen ein.

Die Explosion in Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad ereignete in der Nähe einer Bank und des Hotels Shalimar. Die beiden Gebäude liegen nicht weit vom Heeres-Hauptquartier entfernt. Erst am 10. Oktober waren Extremisten in das Nervenzentrum der Streitkräfte eingedrungen, hatten Geiseln genommen und sich verschanzt. Nach 22 Stunden brachten Elitesoldaten das Hauptquartier wieder unter Kontrolle, mindestens 20 Menschen wurden bei den Kämpfen getötet. Taliban und andere Extremisten reagieren seit Wochen mit einer Anschlagswelle auf eine Offensive der Streitkräfte gegen ihre Rückzugsgebiete im Nordwesten. Rund 250 Menschen wurden dabei bisher getötet.

Die Vereinten Nationen reagierten am Montag auf die Sicherheitslage: Die langfristige Entwicklungshilfe im Nordwesten werde ausgesetzt, teilte Uno-Sprecherin Amena Kamaal in Islamabad mit. In den Stammesgebieten und der Nordwest-Provinz liege der Fokus künftig auf humanitärer Hilfe und anderen dringend erforderlichen Einsätzen. Welche Programme von der Entscheidung betroffen sind, stand zunächst nicht fest. Vor vier Wochen waren bei einem Selbstmordanschlag auf das Büro des Welternährungsprogramms (WFP) in der Hauptstadt Islamabad mindestens fünf Menschen getötet worden. Bei einem Anschlag auf ein Hotel in Peshawar wurden im Juli elf Menschen getötet, darunter fünf Uno-Mitarbeiter.

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