Kampf gegen Terror
Taliban liefern sich blutigen Machtkampf

Nach dem mutmaßlichen Tod des pakistanischen Taliban-Chefs Baitullah Mehsud durch eine ferngesteuerte US-Rakete ist offenbar ein blutiger Machtkampf unter Mehsuds engsten Vertrauten ausgebrochen. Bestätigen sich die Berichte, hat Pakistan im Kampf gegen den Terror erheblich an Boden gewonnen.

NEU DELHI. Laut Pakistans Innenminister Rehman Malik soll bei einer Schießerei zwischen zwei verfeindeten Taliban-Kommandeuren mindestens einer der Kontrahenten getötet worden sein. Der andere wurde pakistanischen Medien zufolge schwer verletzt. Sie galten beide als Favoriten für die Nachfolge des Getöteten.

Bestätigen sich die Berichte, dann hat Pakistan im Kampf gegen den islamischen Terror erheblich an Boden gewonnen. Die Nachricht vom Tod Mehsuds und anderer Anführer habe immenses Gewicht, sagte Khalida Ghaus, Direktorin des pakistanischen Forschungsinstituts „Social Policy and Development Center“, dem Handelsblatt. Sie werde Pakistans Taliban, die seit der erfolgreichen Offensive der Armee im Swat-Tal im Nordwesten des Landes ohnehin geschwächt seien, weiter demoralisieren.

Nach Berichten aus unterschiedlichen Quellen wurde Mehsud am Mittwoch getötet, als die Rakete eines ferngesteuerten US-Flugzeugs das Haus seines Schwiegervaters in Süd-Wasiristan traf. Mehsud soll sich dort zur Behandlung eines Diabetes-Leidens aufgehalten haben. Er war Gründer und Anführer der radikalislamischen Tehrik-eTaliban Pakistan und soll bis zu 20 000 Kämpfer befehligt haben. Die Regierung in Islamabad macht ihn verantwortlich für den Mord an Pakistans ehemaliger Ministerpräsidentin Benazir Bhutto Ende 2007 sowie für Dutzende blutige Selbstmordattentate. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar für seine Tötung oder Gefangennahme ausgesetzt.

Mehsuds Gefährlichkeit resultierte unter anderem aus seinem Geschick, verschiedene Gruppierungen der Taliban zusammenzuhalten. Die Berichte über den Kampf zwischen den lokalen Kommandeuren Hakimullah Mehsud und Waliur Rehman um seine Nachfolge deuten daraufhin, dass die Allianz jetzt auseinanderfallen könnte. Nach Informationen des pakistanischen Geheimdienstes soll Hakimullah Mehsud bei einer Ratssitzung zur Wahl des neuen Anführers von Rehman oder dessen Leuten erschossen worden sein. Ein Sprecher der Taliban dementierte dies.

Auch der Tod Mehsuds wurde von mehreren Taliban dementiert, ohne jedoch Beweise für sein Überleben vorzulegen. Die Angaben können nicht überprüft werden, da die Regierung und Journalisten keinen Zugang zu dem von Stammesfürsten und den Taliban beherrschten Süd-Wasiristan haben.

Die Lage in Afghanistan dürfte das Machtvakuum bei Tehrik-e-Taliban allerdings wenig beeinflussen, da sich ihre Terrorattacken primär gegen Ziele in Pakistan richten und nicht gegen die US-Truppen und ihre Verbündeten jenseits der Grenze. Allerdings zeigt der offenbar erfolgreiche Raketenschlag gegen Mehsud, dass die Zusammenarbeit der USA mit Pakistan im Kampf gegen die Taliban immer besser funktioniert – obwohl die US-Drohnenangriffe auf massive Kritik in Pakistans Bevölkerung stoßen. Es heißt, pakistanische Agenten hätten den Tipp über Mehsuds Aufenthaltsort gegeben.

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