Kampf um Aufträge
Indische Rüstung made in Germany

Die deutsche Rüstungsindustrie entflieht dem Spardiktat der Bundeswehr. Neu-Delhi hat Aufträge in zweistelliger Milliardenhöhe zur Modernisierung der indischen Streitkräfte ausgeschrieben. Die Bundesregierung, die im Ausland bisher nur zögerlich für deutsche Verteidigungstechnologie geworben hat, übernimmt die Rolle des politischen Türöffners.
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NEU-DELHI. Heute startet Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zu seiner ersten Reise nach Indien. Seine Delegation wird klar von Vertretern deutscher Rüstungsfirmen dominiert, darunter der Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann, der Marineausrüster Thyssen-Krupp Marine Systems, der Triebwerkbauer Eurojet und der „Eurofighter“-Produzent EADS. Unüblich für das Programm eines Wirtschaftsministers hat Brüderle auch einen Termin im Verteidigungsministerium. Dort trifft er die beiden für militärische Beschaffung zuständigen Staatssekretäre. Ebenfalls unüblich: Die Rüstungsmanager in Brüderles Delegation sind mit von der Partie.

EADS bewirbt sich um drei Aufträge

Es geht um viel. Indien ist zurzeit der weltweit am heißesten umkämpfte Rüstungsmarkt. Allein EADS bewirbt sich um drei Großaufträge, die jeder für sich genommen dem europäischen Konsortium Beschäftigung über Jahre hinaus garantieren würden. So will Indien 126 Kampfflugzeuge für einen geschätzten Preis von elf Mrd. Dollar beschaffen. EADS konkurriert mit dem „Eurofighter“ gegen Wettbewerber aus den USA, Russland, Frankreich und Schweden. Ferner ist der Konzern im Rennen um einen Milliardenauftrag für sechs Tankflugzeuge, die EADS-Tochter Eurocopter kämpft seit Jahren um den Zuschlag zur Lieferung von 197 Aufklärungs- und Transporthelikoptern. Thyssen-Krupp Marine Systems will Indien mehrere U-Boote liefern, Rheinmetall Hunderte Geschütze und Eurojet wetteifert mit dem US-Konzern General Electric um einen Auftrag zum Bau von Triebwerken für ein leichtes indisches Kampfflugzeug.

Die deutschen Firmen hoffen darauf, dass Brüderles Fürsprache ihnen in dem beinharten Wettbewerb um die Aufträge wichtige Pluspunkte bringt. Denn mehr noch als in anderen Ländern zähle in Indien die politische Lobbyarbeit, betont der Vertreter eines Rüstungsunternehmens: „In Neu-Delhi wird erwartet, dass die Regierungen sich massiv für ihre Unternehmen einsetzen.“ Mit Unbehagen haben die deutschen Hersteller deshalb das Werben in Indien etwa von US-Außenministerin Hillary Clinton, Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy für ihre Rüstungsindustrie beobachtet. Dass die Bundesregierung jetzt ebenfalls offensiv wird, empfinden sie als überfällig.

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