Kampf um Elfenbeinküste: Frankreich fordert UN-Eingriff

Kampf um Elfenbeinküste
Frankreich fordert UN-Eingriff

Obwohl Alassane Ouattara international als Wahlsieger anerkannt wurde, hält Präsident Laurent Gbagbo mit aller Gewalt an seiner Macht fest. Eine Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nun soll die UN eingreifen.
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Genf/New York Im erbitterten Machtkampf im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste will Frankreich Präsident Laurent Gbagbo per UN-Resolution zur Aufgabe zwingen.

Zusammen mit Nigeria setzt sich Frankreich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für einen Beschluss ein, der Sanktionen gegen Gbagbo und seinen Führungszirkel vorsieht. Zudem soll die UN-Friedenstruppe in der Elfenbeinküste damit beauftragt werden, schwere Waffen im Großraum der Wirtschaftsmetropole Abidjan zu beschlagnahmen. Allein aus dieser größten Stadt des Landes sind den UN zufolge fast eine Million Menschen auf der Flucht. Hinzu kämen viele weitere in anderen Regionen des westafrikanischen Staates, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf mit. Damit wurden frühere Schätzungen stark angehoben.

Frankreichs Botschafter Gerard Araud sagte nach einer Tagung des UN-Sicherheitsrats zum Konflikt in der Elfenbeinküste, der Entwurf solle kommende Woche erörtert werden. Offen war zunächst, wann über ihn abgestimmt werden könnte. Araud zeigte sich optimistisch, in dem Gremium eine Mehrheit für den Resolutionsentwurf zu bekommen. Aber es blieb unklar, ob alle 15 Mitglieder zustimmen. Der russische Botschafter Witali Tschurkin sagte auf dem Weg in die Beratungen in sarkastischem Ton zu Journalisten: "Noch ein großer Krieg - das ist genau das, was wir brauchen." Frankreich war beim jüngsten - von den UN gebilligten - Militäreinsatz in Libyen vorgeprescht.

Der französische Botschafter Araud sprach von einer "menschlichen Tragödie" in der Elfenbeinküste. Nach der Präsidentenwahl im November 2010 kommt es dort immer wieder zu Kämpfen zwischen Anhängern Gbagbos und seines Herausforderers Alassane Ouattara, der international als Wahlsieger anerkannt ist. Bei den Auseinandersetzungen kamen nach offiziellen Angaben 462 Menschen ums Leben. Dem UNHCR zufolge fürchten sich die Bewohner der Elfenbeinküste vor einem Krieg. In Abdidjan leben normalerweise vier Millionen Menschen.

Die Elfenbeinküste ist der wichtigste Kakaoproduzent der Welt und auf die Einnahmen des Wirtschaftszweiges angewiesen. Wegen des Konfliktes wird derzeit kein Kakao exportiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ouattara hat die Wahl nicht gewonnen: ivoireleaks.de
    Alle Einwände und juristische Interventionen Gbagbos gegen die manipulierte Wahl wurden blockiert. Die Verfassug des Landes wurde übergangen, die ONUCI hat verkündet, und die "internationale Diplomatie" hat den Wunschkandidaten anerkannt. Wozu dann noch wählen?
    Die ONUCI hat sogar die Nachzählung der Stimmen verweigert.
    Somit ist dieser Krieg nicht das letzte Mittel...sondern Mittel zum Zweck!

  • Ach nein, da soll die UN eingreifen und ein paar Waffen einsammeln. Hätte die Elfenbeinküste Öl, so würden sich die USA schon lange darum kümmern auf eine Art wie sie es in allen Ölstaaten tun. Wir werden da noch eine Liste von Ländern erleben, wo sich diese Ölimperialisten einschalten werden und ihre Waffenindustrie damit aus dem Umsatztal ziehen. Da kommt denen gerade recht, dass sich Länder wie Deutschland nicht aktiv beteiligen. Aber zahlen werden sie dafür umso mehr, wie auch beim ersten Irakkrieg, der für die Kriegsindustrie der USA der reisnste Segen war und für die Staatsfinazen ebenfalls.

  • Hätte die Elfenbeinküste Öl, so würde auch da nicht lange gefackelt und die USA hätten schon lange einen Plan für solche Initialzündungen. Doch so sollte sich die UN lediglich darum kümmern, dass dort ein paar Waffen eingesammelt werden.

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