Kampf um Mossul Hinweise auf Giftgas-Einsatz mehren sich

Beim Kampf um die irakische Großstadt Mossul wurde offenbar Giftgas eingesetzt. Die Uno und das Rote Kreuz berichtet von Patienten, die entsprechende Verletzungen aufweisen. Viele der Opfer sind Frauen und Kinder.
Update: 04.03.2017 - 13:46 Uhr Kommentieren

Irakische Armee rückt in IS-Hochburg Mossul vor

Irakische Armee rückt in IS-Hochburg Mossul vor

BagdadDie Hinweise auf den Einsatz von Giftgas beim Kampf um die irakische Großstadt Mossul mehren sich. Nach dem Roten Kreuz berichteten am Samstag auch die Vereinten Nationen von Patienten, die entsprechende Verletzungen aufwiesen. Seit Mittwoch seien zwölf Menschen behandelt worden, die möglicherweise mit chemischen Kampfstoffen in Kontakt gekommen seien, teilte die Uno am Samstag mit.

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden in einem Krankenhaus in der Nähe von Mossul fünf Kinder und zwei Frauen wegen Verletzungen, die durch Giftgas entstanden sein könnten, behandelt. Die irakische Armee versucht gerade mit internationaler Hilfe, die letzte Hochburg der Islamisten-Miliz IS im Irak zurückzuerobern.

Was aus einem Ort wird, in dem der IS gewütet hat
Das letzte Mahl
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Auf dem Boden in der dreckigen Küche steht die wohl letzte Mahlzeit der IS-Bombenbastler von Baschika. Eine Kanne und zwei Töpfe, einer leer, im anderen ein verschimmelter Eintopf. Kelle und Löffel liegen unbenutzt daneben. Die Köche, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, sind wohl tot. Hinterlassen haben sie versteckte Sprengsätze, die überall in der nordirakischen Geisterstadt darauf lauern, zu töten.

Ausgeklügeltes Tunnelsystem
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Die Erde türmt sich überall in dem einst von Christen bewohnten Haus. Denn die Dschihadisten mischten im dunklen Badezimmer zwischen Eimern und Apparaten nicht nur die Chemikalien für Bomben. Sie gruben während ihrer Herrschaft über Baschika seit 2014 auch einige Tunnel. Wo die hinführen? Das weiß niemand. Die Kämpfer der Terrormiliz sollten in einem Haus verschwinden und an ganz anderen Orten wieder auftauchen können.

Geruch von Curry in der Luft
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Ismael Abdel Rahman lebte in Baschika und ist nun als Besucher wiedergekommen. Er will seiner Familie zeigen, was von ihrem Haus und dem Gewürzladen übrig geblieben ist. Niedergeschlagen steht er vor den verbogenen Türen. Es riecht immer noch nach Kurkuma und Curry, aber der Verkaufsraum ist durchwühlt und chaotisch. „Es war zu viel Schmerz, als ich kam und den Laden so gesehen habe“, sagt der Mann.

Geisterstadt
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Die Straße ist leer. Genau wie jeder Platz, jedes Haus und auch die Kirche des Ortes, deren Scheiben eingeschmissen sind, das Innere verwahrlost. Es herrscht absolute Stille, die nur zeitweise durch das Grollen des Himmels unterbrochen wird: Kampfjets, die Bomben auf das nahe Mossul werfen, in dem der IS noch immer einen Großteil des Stadtgebietes kontrolliert.

Bürokratie à la IS
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Sie beschmierten die Wände mit Filzstift: „Entweder der Sieg oder sterben mit Gottes Willen“ steht dort geschrieben. In einer Schublade findet sich ein Papier. „Erlaubniskarte“ steht drauf, und daneben „Islamischer Staat“. Ein Kämpfer reichte damit einen dreitägigen Urlaub ein. Ein Stempel zeigt an: Der Bitte wurde stattgegeben. Bürokratie à la IS.

Herrscher über eine leere Stadt
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Seit November ist die IS-Herrschaft vorbei. Mit der Offensive der irakischen Armee und seiner Verbündeten auf Mossul wurde auch das nahe Baschika von kurdischen Kämpfern eingekreist und schließlich erobert. Wohl mehr als 100 IS-Kämpfer wurden getötet. Sie hatten über eine leere Stadt geherrscht. Die Bewohner, vor allem Jesiden und Kurden, waren geflohen, kurz bevor die Extremisten die Stadt überrannten. Nun ist sie zerstört.

Explosives Vermächtnis
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0 bis 40 Prozent der Häuser seien zerstört, erzählt General Bahram Jasin von den kurdischen Peschmerga, die ihr Lager am Stadtrand aufgebaut haben. Und Gefahr bestehe weiterhin: „Wir haben eine Karte gefunden, die die Sprengfallen des IS zeigt. Auf dieser einzigen Karte sind 2010 Sprengsätze eingezeichnet.“ Die Räumung wird Monate dauern. Aber ob die ehemaligen Bewohner dann zurückzukehren wollen, ist fraglich.

Der Uno zufolge wiesen vier Verletzte starke Symptome eines sogenannten Hautkampfstoffes auf, der Blasen auf der Haut, Augenreizungen, Erbrechen und Hustenreiz verursacht. Die Patienten seien mit den chemischen Stoffen im Osten von Mossul in Berührung gekommen. Die Weltgesundheitsorganisation setzte zusammen mit den Gesundheitsbehörden vor Ort einen Notfallplan in Kraft, der die Behandlung von Menschen mit den hochgiftigen Chemikalien sichern soll.

Die Uno-Koordinatorin für den Irak, Lise Grande, forderte eine Untersuchung. „Das ist schrecklich. Wenn der mutmaßliche Einsatz von chemischen Waffen bestätigt wird, ist das eine gravierende Verletzung des internationalen humanitären Völkerrechts und ein Kriegsverbrechen, unabhängig davon, wer die Ziele oder die Opfer der Angriffe sind.“

Nachdem die irakischen Streitkräfte mit US-Unterstützung im Januar nach rund dreimonatigen Kämpfen den Ostteil der Stadt eingenommen hatten, starteten sie vor zwei Wochen die Offensive auf den Westteil der Stadt. Es wird angenommen, dass sich noch mehrere Tausend IS-Kämpfer in Mossul aufhalten, darunter viele aus Ländern des Westens. Sie wehren sich mit Heckenschützen, Selbstmordanschlägen, Sprengfallen und Granatfeuer gegen die aus rund 100.000 Kämpfern bestehende regierungstreue Truppe.

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