Kampf um Mossul
Irakische Armee erreicht IS-Hochburg

Die Schlacht um Mossul könnte sich noch Monate hinziehen. Die Dschihadisten verteidigen sich mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Damit können sie die Angreifer aufhalten, aber nicht stoppen.

BagdadZwei Wochen nach Beginn der Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul haben sich irakische Sicherheitskräfte im Osten bis an die Grenze der Großstadt herangekämpft. Nach Angaben aus der Militärführung eroberten Eliteeinheiten der Armee am Montag den Ort Baswaja, das letzte Dorf vor den Außenbezirken Mossuls. Die Truppen würden nun versuchen, die Dschihadisten aus dem Vorort Gogdschali zu vertreiben. Aus Militärkreisen hieß es, auch von Norden her seien die Truppen weiter an die Stadt herangerückt.

Eine unabhängige Bestätigung für das Vorrücken der Streitkräfte gab es zunächst nicht. Berichte, nach denen Einheiten der Armee bereits in den östlichen Stadtteil Karama vorgedrungen seien, dementierte der Sprecher. „Sie kämpfen nun im Viertel Karama“, sagte der General der Anti-Terror-Einheit CTS, Wissam Aradschi, der Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorstoß sei jedoch unterbrochen worden, um das Vorrücken anderer Einheiten an anderen Fronten abzuwarten. CTS-Soldaten hatten sich den Angaben zufolge auch bis an Gogdschali herangekämpft, einem Industriegebiet am östlichen Stadtrand. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw berichtete unter Berufung auf den Chef der Anti-Terror-Einheiten, die Kämpfer seien nur noch 800 Meter von den Grenzen Mossuls entfernt. Die Vereinten Nationen befürchten, durch die Kämpfe könnten bis zu einer Million Menschen in die Flucht getrieben werden.

Vor zwei Wochen hatten die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale Milizen mit einer Großoffensive auf Mossul im Norden des Iraks begonnen. Die von den USA geführte Koalition unterstützt die Operation mit Luftangriffen. Alleine an der Front im Süden der ehemaligen Metropole wurden seit Beginn nach irakischen Militärangaben mehr als 750 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet.

Die beteiligten Kräfte nähern sich Mossul aus drei Richtungen und konnten in den vergangenen zwei Wochen schnell Boden gegen die Dschihadisten gewinnen. In der Umgebung von Mossul nahmen kurdische Milizen nach Angaben des irakischen Militärs fünf Ortschaften ein. Andere Armee-Einheiten stießen demnach vom Süden her auf die Stadt vor. Schiitische Milizen haben angekündigt, die Verbindung zwischen Mossul und Rakka in Syrien einzunehmen, um IS-Kämpfern den Fluchtweg abzuschneiden. Diese versuchen, den Vormarsch mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen aufzuhalten. Erschwerend kommt dazu, dass der IS nach UN-Angaben Zivilisten als Schutzschilde einsetzt. Es wird vermutet, dass sich viele IS-Kämpfer aus den umliegenden Dörfern nach Mossul zurückgezogen haben, um die IS-Bastion zu verteidigen. Beobachter rechnen damit, dass sich die Schlacht um die Stadt noch über Monate hinziehen könnte.

„Die Schlacht um Mossul wird kein Spaziergang“, warnte der Chef der schiitischen Badr-Milizen, Hadi al-Amiri. Man sei auf monatelange Kämpfe vorbereitet. Die vom Iran unterstützen Milizen schlossen sich am Samstag den Kämpfen der irakischen Armee an. Die Regierungstruppen hatten am 17. Oktober ihre Offensive gestartet und zunächst die Umgebung der immer noch rund 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt vom IS erobert. An der Seite der Armee kämpfen auch kurdische Milizen. Aus der Luft werden sie von der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützt, zu der auch Deutschland gehört.

Bislang konnten nach UN-Angaben rund 17.500 Menschen aus den Kampfgebieten im Norden Iraks fliehen. Demnach werden Menschen aber daran gehindert, Mossul zu verlassen. Der IS reklamierte einen Gegenangriff in Haditha in der Provinz Anbar für sich, wo nach Angaben der Extremistengruppe 35 Soldaten und Milizionäre bei einem Selbstmordattentat getötet worden sein sollen. Die irakische Armee bestätigte den Angriff zunächst nicht.

Die Eroberung von Mossul wäre militärisch und symbolisch eine schwere Niederlage des IS. Vor zwei Jahren hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in Mossul ein Kalifat ausgerufen, das neben dem Irak auch große Teile Syriens umfassen soll. In dem IS-Herrschaftsgebiet stehen Andersgläubige unter Lebensgefahr. Viele wurden von den radikalen Islamisten getötet oder versklavt.

Die Beteiligung schiitischer Milizen an den Kämpfen im Norden Iraks hat die Türkei auf den Plan gerufen. Die schiitischen Kämpfer wollen auch im grenznahen Gebiet den IS aus dem Ort Tal Afar vertreiben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit Folgen, sollten die Milizen in dem von auch von Turkmenen bewohnten „Terror entfesseln“. Menschenrechtsorganisationen haben den schiitischen Milizen bereits früher Übergriffe vorgeworfen. Sie befürchten, die Milizionäre könnten in dem sunnitisch geprägten Norden Iraks religiös motivierte Konflikte befeuern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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