Kampf um Mossul Irakische Armee erreicht zweite Tigris-Brücke

Im Kampf um die nordirakische Stadt Mossul macht das irakische Militär weitere Fortschritte. Die Regierungstruppen erobern immer mehr Gebiete im Osten der Stadt. Der Westen ist aber noch vollständig vom IS besetzt.
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Menschen inspizieren eine von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zerstörte Brücke im östlichen Teil der Stadt, der kürzlich vom IS befreit worden ist. Quelle: dpa
Zerstörte Brücke in Mossul

Menschen inspizieren eine von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zerstörte Brücke im östlichen Teil der Stadt, der kürzlich vom IS befreit worden ist.

(Foto: dpa)

Mossul/ErbilEine Spezialeinheit der irakischen Armee ist nach Militärangaben im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS in Mossul am Ostufer des Tigris auf die zweite Brücke vorgerückt. Sie führe ihren Angriff von Süden aus, während andere Einheiten weiter nördlich versuchten, das Gelände der Universität einzunehmen, teilte die Armee am Freitag mit.

Die Kämpfe finden derzeit vor allem im östlichen Teil Mossuls statt. Die Stadt wird durch den Tigris geteilt. Der Westteil ist noch völlig unter Kontrolle des Islamischen Staats (IS). Insgesamt fünf Brücken verbinden die beiden Stadtteile. Sie sind allerdings weitgehend zerstört. Erst hatten US-Kampfflugzeuge die Brücken bombardiert, um die Bewegungsmöglichkeiten des IS in der Stadt einzuschränken. Nach Informationen des US-Militärs und der irakischen Armee hat der IS die Brücken weiter beschädigt, um jetzt den Vormarsch der irakischen Truppen zu bremsen.

Was aus einem Ort wird, in dem der IS gewütet hat
Das letzte Mahl
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Auf dem Boden in der dreckigen Küche steht die wohl letzte Mahlzeit der IS-Bombenbastler von Baschika. Eine Kanne und zwei Töpfe, einer leer, im anderen ein verschimmelter Eintopf. Kelle und Löffel liegen unbenutzt daneben. Die Köche, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, sind wohl tot. Hinterlassen haben sie versteckte Sprengsätze, die überall in der nordirakischen Geisterstadt darauf lauern, zu töten.

Ausgeklügeltes Tunnelsystem
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Die Erde türmt sich überall in dem einst von Christen bewohnten Haus. Denn die Dschihadisten mischten im dunklen Badezimmer zwischen Eimern und Apparaten nicht nur die Chemikalien für Bomben. Sie gruben während ihrer Herrschaft über Baschika seit 2014 auch einige Tunnel. Wo die hinführen? Das weiß niemand. Die Kämpfer der Terrormiliz sollten in einem Haus verschwinden und an ganz anderen Orten wieder auftauchen können.

Geruch von Curry in der Luft
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Ismael Abdel Rahman lebte in Baschika und ist nun als Besucher wiedergekommen. Er will seiner Familie zeigen, was von ihrem Haus und dem Gewürzladen übrig geblieben ist. Niedergeschlagen steht er vor den verbogenen Türen. Es riecht immer noch nach Kurkuma und Curry, aber der Verkaufsraum ist durchwühlt und chaotisch. „Es war zu viel Schmerz, als ich kam und den Laden so gesehen habe“, sagt der Mann.

Geisterstadt
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Die Straße ist leer. Genau wie jeder Platz, jedes Haus und auch die Kirche des Ortes, deren Scheiben eingeschmissen sind, das Innere verwahrlost. Es herrscht absolute Stille, die nur zeitweise durch das Grollen des Himmels unterbrochen wird: Kampfjets, die Bomben auf das nahe Mossul werfen, in dem der IS noch immer einen Großteil des Stadtgebietes kontrolliert.

Bürokratie à la IS
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Sie beschmierten die Wände mit Filzstift: „Entweder der Sieg oder sterben mit Gottes Willen“ steht dort geschrieben. In einer Schublade findet sich ein Papier. „Erlaubniskarte“ steht drauf, und daneben „Islamischer Staat“. Ein Kämpfer reichte damit einen dreitägigen Urlaub ein. Ein Stempel zeigt an: Der Bitte wurde stattgegeben. Bürokratie à la IS.

Herrscher über eine leere Stadt
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Seit November ist die IS-Herrschaft vorbei. Mit der Offensive der irakischen Armee und seiner Verbündeten auf Mossul wurde auch das nahe Baschika von kurdischen Kämpfern eingekreist und schließlich erobert. Wohl mehr als 100 IS-Kämpfer wurden getötet. Sie hatten über eine leere Stadt geherrscht. Die Bewohner, vor allem Jesiden und Kurden, waren geflohen, kurz bevor die Extremisten die Stadt überrannten. Nun ist sie zerstört.

Explosives Vermächtnis
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0 bis 40 Prozent der Häuser seien zerstört, erzählt General Bahram Jasin von den kurdischen Peschmerga, die ihr Lager am Stadtrand aufgebaut haben. Und Gefahr bestehe weiterhin: „Wir haben eine Karte gefunden, die die Sprengfallen des IS zeigt. Auf dieser einzigen Karte sind 2010 Sprengsätze eingezeichnet.“ Die Räumung wird Monate dauern. Aber ob die ehemaligen Bewohner dann zurückzukehren wollen, ist fraglich.

Im Nordosten waren heftige Kämpfe um den Campus der Universität zu beobachten. Ein Stadtbezirk nördlich der Universität sei erobert worden, sagte ein irakischer Offizier. Die Soldaten hätten das Hochschulgelände am Freitagmorgen betreten und Teile der Anlage gesichert, teilten zwei Offiziere mit, die anonym bleiben wollten. Offenbar versuchen die irakischen Streitkräfte, in einer Zangenoperation von Norden und Süden an den Tigris vorzurücken und die IS-Kämpfer einzuschließen. Wenn die Armee das Ostufer des Flusses unter ihrer Kontrolle hat, wäre der Weg für einen Angriff auf den Westteil der Stadt frei.

Am Donnerstag hatten sich irakische Soldaten nördlich von Mossul mit Soldaten zusammengeschlossen, die vom östlichen Stadtrand vorgerückt waren. Die Terrormiliz Islamischer Staat hält Mossul, die zweitgrößte irakische Stadt, seit Sommer 2014 unter ihrer Kontrolle. Das weitläufige Universitätsgelände wurde einst von IS-Extremisten als Stützpunkt genutzt. Die Extremisten sollen auch die Chemielabors der Hochschule verwendet haben, um chemische Waffen herzustellen.

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