Kampf um Präsidentenamt
Elfenbeinküste fürchtet neuen Bürgerkrieg

Trotz des internationalen Drucks will Präsident Gbagbo nicht aus dem Amt scheiden. Das Land spielt in Westafrika eine wichtige wirtschaftliche Rolle. 40 Prozent des Kakaos für die weltweite Schokoladenproduktion werden dort gewonnen.
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KAPSTADT. In der Elfenbeinküste wächst der Druck auf Präsident Laurent Gbagbo, seinen Posten zu räumen und ins Exil zu gehen. Erneut reisten gestern Staatschefs benachbarter afrikanischer Staaten in die Metropole Abidjan und versuchten, den störrischen Machthaber zum Rückzug zu bewegen. Die Präsidenten von Benin, Sierra Leone und den Kapverden übergaben ihm Rücktrittsforderungen.

Wegen des Machtkampfs um die Spitze des Staates steht das Land am Rande eines Bürgerkriegs. Dabei galt die Elfenbeinküste bis vor zehn Jahren als eines der wenigen Vorzeigeländer in Afrika. Die frühere französische Kolonie war bis dahin von Militärcoups und inneren Unruhen verschont geblieben. Die stabile Einheitswährung CFA-Franc hatte zudem ausländische Investoren angelockt: Zwischen der Unabhängigkeit im Jahre 1960 und 1980 wuchs die Wirtschaft Jahr für Jahr um fast zehn Prozent – so stark wie in kaum einem anderen Land des Kontinents.

Seit 2002 ist das Land geteilt

Doch seit der Jahrtausendwende wird das Land in Westafrika, in dem rund 40 Prozent des Kakaos für die weltweite Schokoladenproduktion gewonnen werden, von permanenten Machtkämpfen geplagt. Seit einer bewaffneten Rebellion 2002 ist die Elfenbeinküste faktisch sogar geteilt. Gbagbos Regierungstruppen halten den Süden, der Norden wird von den einstigen Rebellen der Forces Nouvelles beherrscht.

Die Wahlen vor vier Wochen, die eine Wende zum Besseren einläuten sollten, haben genau das Gegenteil bewirkt – und das Land noch tiefer gespalten: Die offizielle Wahlkommission erklärte Oppositionsführer Alassane Ouattara zum Sieger, der Verfassungsrat hingegen den amtierenden Staatschef Gbagbo. Seitdem gibt es zwei Präsidenten – und beide Lager liefern sich blutige Gefechte.

In einem beispiellosen Akt haben sich mittlerweile fast alle Länder Afrikas hinter den siegreichen Herausforderer gestellt – und versuchen, Gbagbo zur Machtaufgabe zu bewegen. Die USA und die EU haben Reisesanktionen gegen Gbagbo und seinen inneren Kreis verhängt. Auch die Weltbank hat ihre Mittel für die Elfenbeinküste eingefroren.

Von entscheidender Bedeutung für den Fortgang des Konflikts könnte aber die Entscheidung der westafrikanischen Zentralbank sein, alle Konten des ivorischen Staates fortan unter die Kontrolle von Ouattara zu stellen. Seit 1994 ist die Elfenbeinküste Teil der westafrikanischen Währungsunion UEMOA, einem Zusammenschluss von acht französischen Ex-Kolonien, deren CFA-Franc über die französische Zentralbank fest an den Euro gekoppelt ist. Mit dem Schritt der im Senegal ansässigen Zentralbank soll Gbagbo daran gehindert werden, weiter Gehälter an die Staatsangestellten und Sicherheitskräfte zu zahlen – und sich damit deren Loyalität zu sichern. Gleichzeitig wird das Land aber womöglich nicht die Zinsen für einen Eurobond über 2,3 Milliarden bedienen, die übermorgen fällig werden.

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