Kampfausweitung
Israelis bombadieren Beirut und Bekaa-Tal

Nach dem Tod von mindestens 15 Israelis bei den jüngsten Raketenangriffen der Hisbollah hat Israel seine Bombardierungen im Libanon abermals ausgeweitet. Kampfflugzeuge drangen in der Nacht zum Montag wieder bis ins Bekaa-Tal vor, rund 100 km nördlich der israelisch-libanesischen Grenze.

HB BEIRUT. Auch die südlichen Stadtteile von Beirut wurden erneut angegriffen, des weiteren gab es im Grenzgebiet Kämpfe am Boden. Mindestens vier Explosionen wurden Augenzeugen zufolge nahe der historischen Stadt Baalbek vernommen, einer Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz.

Außerdem wurde die 20 km weiter südlich gelegene Region Raschaja bombardiert. Diese bildet den Landkorridor vom Bekaa-Tal in den südlichen Libanon. Eine weitere Angriffswelle galt den südlichen Stadtteilen von Beirut. Binnen 20 Minuten waren vier laute Explosionen zu hören.

Raketenwerfer und Abschussrampen zerstört

In der südlibanesischen Ortschaft Kana zerstörte die israelische Luftwaffe nach Militärangaben genau die Raketenwerfer, die für die jüngsten Hisbollah-Angriffe auf Haifa genutzt wurden. Israelische Kampfjets hätten zudem eine weitere Abschussvorrichtung für Raketen nördlich der libanesischen Hafenstadt Tyrus zerstört.

Wie es weiter hieß, drangen auch Bodentruppen in das Gebiet um Tyrus vor und zerstörten sieben Abschussrampen für Langstreckenraketen. Dabei sei es zum Nahkampf mit der Hisbollah gekommen. Drei Milizionäre seien getötet worden, israelische Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen.

Der Hisbollah-Sender Al Manar berichtete, Milizionäre hätten eine vorrückende israelische Einheit nahe der Ortschaft Hula überfallen. Daraufhin sei es zu heftigen Gefechten gekommen, bei denen vier israelische Soldaten getötet worden seien. Die israelischen Streitkräfte machten vorerst keine Angaben zu etwaigen Opfern.

Verhandlungen über UN-Resolution

Nach der Einigung der USA und Frankreichs auf den Text einer Libanon- Resolution ging das Ringen um die Entschließung weiter. Eine für Sonntag geplante Sitzung des Weltsicherheitsrats wurde verschoben, da arabische Länder Widerspruch eingelegt hatten.

Einem UN-Diplomaten zufolge könnten die USA und Frankreich einen etwas abgewandelten Text vorlegen, über den noch am Montag beraten werden könnte. Eine Abstimmung sei frühestens am Dienstag zu erwarten.

Eine Überarbeitung des Textes verlangte insbesondere der libanesische Parlamentspräsident Nibih Berri, der der Hisbollah nahe steht. Es müsse klar sein, dass nach einem Waffenstillstand und der Stationierung von UN-Soldaten kein israelischer Soldat mehr auf libanesischem Territorium verbleiben dürfe.

Israel fordert Stopp der Waffenlieferungen

Der israelische Außenamtssprecher Mark Regev betonte wiederum, ein von den Vereinten Nationen vermittelter Waffenstillstand müsse sicherstellen, dass die Hisbollah nicht weiterhin von Syrien und dem Iran Waffen erhalte. Die Außenminister der arabischen Liga wollten am Montag in Beirut über die Libanon-Krise beraten.

Schweden bot an, eine Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Libanons zu organisieren. Sein Land sei bereit, eine Führungsrolle bei internationalen Wiederaufbaubemühungen zu übernehmen, erklärte Ministerpräsident Göran Persson. Sollte die internationale Gemeinschaft zustimmen, könnte eine solche Konferenz in den kommenden Wochen stattfinden.

Israelische Truppen nahmen am Sonntagabend im Westjordanland einen weiteren Hamas-Abgeordneten fest, wie Augenzeugen berichteten. Die Soldaten seien in etwa zehn Militärfahrzeugen in Ramallah eingerückt und hätten den Abgeordneten Fadel Salah verschleppt. Erst in der Nacht zum Sonntag hatten israelische Soldaten auch den palästinensischen Parlamentspräsidenten Abdel Asis Duaik gefangen genommen.

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