Kampfeinsatz in Mali: Vereinte Truppen erobern Konna zurück

Kampfeinsatz in Mali
Vereinte Truppen erobern Konna zurück

In Mali haben die Streitkräfte mit Unterstützung der Franzosen die Stadt Konna von den Rebellen zurückerobert. Zuvor wurde in Mali der Ausnahmezustand ausgerufen. Die USA überlegen unterdessen ebenfalls einzugreifen.
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Paris/BamakoMit militärischer Unterstützung Frankreichs haben die Streitkräfte Malis eine strategisch wichtige Stadt im Norden des afrikanischen Landes von islamistischen Rebellen zurückerobert. Regierungssoldaten seien wieder in Konna eingerückt, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur Reuters am Freitagabend. Die Stadt war erst am Vortag von Al-Kaida-nahen Aufständischen besetzt worden. Wenige Stunden zuvor hatte Frankreich erklärt, in Mali militärisch zu intervenieren, um die Regierung im Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen.

Malis Regierung versucht, einen Vormarsch der Rebellen zu stoppen, die den Norden des Landes seit April beherrschen. Regierungen des Westens befürchten, dass sich die Region zum Rückzugsgebiet für militante Extremisten entwickeln könnte.

Zuvor hat Malis Präsident am Freitagabend in dem westafrikanischen Wüstenstaat den Ausnahmezustand verkündet. Gleichzeitig forderte Präsident Traoré Dioncounda in seiner Fernsehansprache in Bamako von der Bevölkerung Geschlossenheit im Kampf um die Rückeroberung der von islamistischen Rebellen besetzten Landesteile. „Jeder Malier muss jetzt als Soldat der Heimat betrachtet werden und sich selbst als solchen sehen“, sagte Dioncounda.

Islamistische Rebellen, die seit Monaten den Nordosten des Landes kontrollieren, waren in den vergangenen Tagen weiter nach Süden vorgerückt. Um diesen Vormarsch zu stoppen, waren am Freitag Soldaten aus Frankreich, Senegal und Nigeria zur Unterstützung der malischen Regierungstruppen in dem Krisenstaat eingetroffen. Das gab Präsident François Hollande am Freitagabend in Paris bekannt.

Ziel sei es, die Armee des Landes beim Kampf gegen „terroristische Elemente“ zu unterstützen, sagte Hollande in Paris. „Dieser Einsatz wird so lange dauern wie nötig“, fügte er hinzu. Zur Begründung für das französische Eingreifen sagte Hollande, es gehe um die Existenz dieses „befreundeten Staates, um die Sicherheit seiner Bevölkerung und die unserer Landsleute, es sind 6.000 dort“. Mali sei einer „Aggression von terroristischen Elementen aus dem Norden“ des Landes ausgesetzt, deren „Brutalität und Fanatismus“ bekannt seien.

Zunächst hatte Frankreich lediglich eine Ausbildung malischer Soldaten unterstützen wollen, eine direkte Entsendung von Soldaten nach Mali sollte afrikanischen Ländern überlassen bleiben. Angesichts des Vormarsches der Islamisten ist die Regierung in Paris aber der Ansicht, dass sich die Lage nun geändert habe.

Auch die US-Streitkräfte werden sich möglicherweise in den Kampf gegen die Islamisten in Mali einschalten. Erwägt werde, die französischen Truppen mit Geheimdienstinformationen und logistischem Beistand zu unterstützen, sagte ein US-Regierungsvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach könnten auch Aufklärungsdrohnen zum Einsatz kommen.

Die Regierung in Mali hatte die militärische Unterstützung aus dem Ausland zuvor bestätigt. Truppen aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien gemeinsam mit Soldaten der Regierung im Einsatz, um die islamistischen Rebellen zu bekämpfen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Bamako. Oberst Abdramane Baby erklärte, die Soldaten seien bereits am Donnerstag in der Stadt Mopti im Zentrum des Krisenlandes angekommen. Um wie viele Soldaten es sich handele, ließ er offen.

Vor dem Eingreifen der französischen Soldaten wurde Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes von der Regierung in Paris informiert. „Frankreich handelt auf Grundlage des Völkerrechts“, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Er hatte zuvor klargestellt, dass Deutschland selbst vorerst keine Soldaten nach Mali schicken wolle. Einen Bericht der französischen Tageszeitung „Le Figaro“, wonach deutsche und französische Soldaten bereits in Mali Stellung bezogen hätten, wies das Verteidigungsministerium zurück: „Wir haben keine deutschen Kräfte in Mali“, sagte ein Sprecher in Berlin.

Zugleich warnte das Auswärtige Amt vor Reisen in das westafrikanische Land. Besonders im „jeder staatlichen Kontrolle“ entzogenen Nordosten bestehe für Ausländer ein hohes Risiko, Opfer von Entführungen oder anderer Gewaltverbrechen zu werden.

In Mali haben nach einem Militärputsch im März Islamisten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und dort das islamische Recht der Scharia ausgerufen. In den vergangenen Tagen waren die Islamisten weiter Richtung Süden vorgerückt und hatten zuletzt den Ort Konna nahe der Stadt Mopti im Zentrum des Landes eingenommen.

Zur Rückeroberung Konnas startete die malische Armee nach Angaben aus Offizierskreisen am Freitag eine Offensive. Daran seien auch ausländische Flugzeuge „befreundeter Staaten“ beteiligt gewesen, sagte ein Angehöriger des Militärs. Nachbarländer und auch westliche Staaten befürchten, dass Nordmali zu einem Rückzugsgebiet für islamische Terroristen werden könnte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Tja 50 AKW brauchen Brennstoffnachschub, Malis Bodenschätze dürfen nunmal nicht in unkontrollierbare Hände fallen; kann sich Assad mal ein Beispiel nehmen, sei kooperativ und schon werden aus den islam.al-qaida Haufen auf einmal Terroristen statt Rebellen. Und ausgerüstet sinds dank dem Westen auch durch die "Befreiung" Lybiens.

  • Immerhin kann Frankreich sehr kurzfristig Truppen zur Wahrung nationaler Interessen "ins Feld stellen" - Chapeau, trotz allem!

  • Sie verhalten sich genauso unauffällig wie anderorts auch, so sie in der Minderheit sind. Wo ihre Minderheit aufmerksam registriert wird, sie ihrem Kult der Religion mit Alleinanspruch täglich nachgehen, wird es solange Spannungen geben, bis diese von den ungewollten "Ungläubigen" im eigenen Lande mit offenen Herzen empfangen werden.

    Anders herum, wo der Islam, wie bei uns in Deutschland schon angekommen, beten die konservativen Kräfte jeden Tag, daß dieser trotz der allein selig machenden Religion, auf eine ausladende Struktur ausgedehnt wird. Träume sind manchmal Schäume, doch bei dem potentiellen Willen der Dauer-Installation von multi-kulti scheint es eh nur ein Form der ZEIT, wann dies geschieht.

    Handel durch Wandel, auch global, muß den Menschen die Freiheit lassen, auch mal unbequeme Wahrheiten auszusprechen, daß nicht alles, was geduldet, letztendlich als das Wahre angesehen wird oder werden kann.

    Wenn ich mir manche ZEITgenossen hier in Deutschland ansehe, muß ich wirklich hinterfragen, ist das wirklich noch meine Heimat. Dies gilt gleichermaßen für die "multikulti" Landschaft inklusiver derer, die anstatt braun lieber mit schwarzer Kluft auf der Straße zur Demonstration antreten. Dies betrifft immer wieder Minderheiten, die sich als Majorität verstehen. Leider wird die Mehrheit von dieser Minorität manchmal ad absurdum geführt. Weiß der Herr im Himmel warum?

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