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13.08.2008 
Standort

Kanada: High Tech in historischem Gewand

von Gerd Braune

Das altertümlich Bild, das die kanadischen Region Waterloo bietet, täuscht: Das Städtedreieck Kitchener-Waterloo-Cambridge ist ein Zentrum der kanadischen Autoindustrie und ein High-Tech-Standort für europäische Unternehmer. Auch deutsche Firmen suchen von hier aus Zugang zur Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta).

OTTAWA. Pferdekutschen gehören zum Alltagsbild. Vor allem am Sonntag stehen die Gespanne vor den Kirchen in New Hamburg, St. Jacobs und anderen Landgemeinden. Die Region Waterloo, 100 Kilometer westlich von Toronto, ist Mennoniten-Land. In ihren traditionellen Gewändern gehen sie am Sonntag zum Gottesdienst, und auf den Märkten verkaufen sie Feldfrüchte, Backwaren und selbst gemachte Textilien. Doch das altertümlich Bild täuscht: Das Städtedreieck Kitchener-Waterloo-Cambridge ist ein Zentrum der kanadischen Autoindustrie und ein High-Tech-Standort für europäische Unternehmer, die Zugang zur Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) suchen.

So wie das deutsche Familienunternehmen Thomas Magnete, das ab Sommer 2009 in Kitchener Steuerventile für Autos produzieren will. Auch die Vakuumtechnologie-Firma J. Schmalz GmbH aus Glatten und der Softwarehersteller CSB-System International aus Geilenkirchen haben bereits in "Canada?s Technology Triangle" Servicebüros eröffnet. Denn der Atlantik ist zu breit, um nordamerikanische Kunden von Deutschland aus "just in time" beliefern zu können. Die nötige Flexibilität sei nicht gegeben, "wenn Waren fast sechs Wochen unterwegs sind, um den Bestimmungsort zu erreichen", sagt Dietrich Thomas, geschäftsführender Gesellschafter von Thomas Magnete.

Als einer der Kunden den Auftrag erhielt, für einen US-Autohersteller Doppelkupplungsgetriebe herzustellen und Thomas Magnete die Steuerventile liefern sollte, war für die Herdorfer klar, dass auch sie nach Nordamerika gehen müssen. "Wir haben fünf Standorte in den USA und zwei in Kanada untersuchen lassen", sagt Thomas. Nach intensiven Gesprächen fiel die Entscheidung auf Kitchener. Bis 1916 hieß der Ort noch Berlin und bis heute gilt er als "deutscheste" Stadt Kanadas.

Vor allem die Nähe zu Toronto ist hier ein Standortvorteil: In weniger als einer Stunde Fahrzeit erreicht man Torontos internationalen Flughafen. "Das sichert eine günstige Anbindung an unser Stammwerk in Deutschland", so Thomas. Von hier gibt es auch Verbindungen zu den Zentren der Nafta, zu der neben Kanada die USA und Mexiko gehören. 60 Prozent des US-Markts können von Toronto aus mit Flügen von weniger als zwei Stunden erreicht werden. Über Straßen sind binnen eines Tages 130 Millionen Menschen in Kanada und den USA zu erreichen. Der Highway 401, Kanadas wichtigster Korridor für den Güteraustausch mit den USA, führt durch die Region Waterloo.

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