Kanada
Wenn der Traum zum Albtraum wird

Tausende Deutsche haben in den vergangenen Jahren ihr Glück in Kanada versucht. Doch auch in Kanada ist die Arbeitslosenquote gestiegen. Manche Einwanderer haben Pech mit dem Arbeitgeber, viele sind Opfer des Abschwungs. Zahlreiche Deutsche suchen Hilfe beim Konsulat.

OTTAWA. Kanada war seine große Hoffnung. "Hier wirst Du gebraucht" - mit dieser Einstellung packte Herr L. aus Bayern im Sommer 2008 mit seiner Frau die Koffer und zog ins Land seiner Träume, nach Alberta, in die ölreiche Provinz Kanadas. Nun hat es sich ausgeträumt. Nach wenigen Monaten verlor er seinen Job in einer Autowerkstatt. Mit dem Einlegen von Werbeblättern in Zeitungen hält sich das Ehepaar jetzt über Wasser. Es reicht kaum für die Rechnungen. "Das ist niederschmetternd", sagt Herr L.

Der 56-jährige ist einer von mehreren Tausend Deutschen, die in den vergangenen Jahren in Kanada ihr Glück suchten. In Deutschland hatte der Kfz-Mechaniker seinen Job verloren; es war die Zeit, zu der Kanada Arbeitskräfte im Ausland suchte. In Alberta zogen der Ölboom und Milliardeninvestitionen in Ölsand die Menschen an. 2007 kamen rund 1 450 Deutsche mit vorübergehendem oder permanentem Aufenthaltsrecht nach Alberta, im vergangenen Jahr etwa 1 800.

Doch die Arbeitslosenquote stieg auch in Kanada - von 6,2 Prozent im Oktober vergangenen Jahres auf 7,2 Prozent im Januar. In drei Monaten gingen 230 000 Stellen verloren. Die Volkswirtschaft schrumpfte im vierten Quartal 2008 um 0,8 Prozent gegenüber dem dritten Quartal und um 0,7 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres - so blieb für das Gesamtjahr 2008 ein schmales Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,5 Prozent.

Viele kanadische Provinzen werben Einwanderer in Deutschland auf Jobmessen an, die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit unterstützt sie dabei.

Trotz Rückgang veranstalten Alberta, Saskatchewan, Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island sowie Unternehmen aus diesen Provinzen in Essen (3. März) und in Leipzig (5. März) Jobmessen. Die Zahl der Angebote sei dieses Jahr geringer, sagt Sonia Sinha von Albertas Einwanderungsministerium. Aber im Gesundheitswesen oder der Informationstechnologie würden weiter Arbeitskräfte gebraucht.

Klaus Münstermann von der ZAV macht deutlich, dass die Provinzen Veranstalter der Messen sind und seine Behörde als Berater auftritt. Die Wirtschaftslage bedeute nicht, dass Kanada die Einwanderung stoppen wolle. Kanadische Unternehmen würden langfristig denken. Er ist überzeugt, dass Firmen, die mit den Regierungen zu den Messen kommen, zuverlässig sind. Er mahnt aber zur Vorsicht bei Internet-Vermittlungen; für manche Kontakte müssten Bewerber viel Geld zahlen. Am Ende würden sie allein gelassen.

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