Kandidat für Chefposten
Mexiko fordert in IWF-Streit Europa heraus

In Europa hat man auf einen internen Konkurrenz-Kampf um den IWF-Chefposten gehofft. Die Pläne macht nun Mexiko zunichte. Die Lateinamerikaner schicken einen eigenen Kandidaten ins Rennen.
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DüsseldorfMexiko will seinen Zentralbank-Chef Agustin Carstens ins Rennen um den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) schicken. Das mexikanische Finanzministerium teilte am Sonntag mit, dass Carstens offiziell als Kandidat für die Position vorschlagen werden solle.

Carstens habe die nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen, um den Fonds führen zu können. Finanzminister Ernesto Cordero hatte erst am Donnerstag erklärt, Carstens wäre der beste Kandidat für die Nachfolge des wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Carstens war bereits drei Jahre stellvertretender IWF-Chef, bevor er 2006 Finanzminister wurde. Seit Januar 2010 leitet er die mexikanische Notenbank.

Nach dem Rücktritt des Franzosen Strauss-Kahn rütteln führende Schwellenländer wie China und Brasilien an dem traditionellen Anspruch Europas auf den IWF-Chefposten. Auch die mexikanische Regierung hatte öffentlich gefordert, dass die Nationalität bei der Berufung des neuen IWF-Chefs nicht die Hauptrolle spielen sollte. Als Favoritin der Europäer kristallisiert sich zunehmend die französische Finanzministerin Christine Lagarde heraus.

Eine Abfuhr bekam die französische Kandidatin auch aus der Schweiz. Rene Weber, Vertreter der Eidgenossenschaft im vier Mitglieder zählenden IWF-Wahlgremium, sagte der Zeitung "Der Sonntag", für sein Land seien die fachliche Qualifikation, der Leistungsnachweis und die Verpflichtung zu stabilen Währungs- und Finanzbeziehungen ausschlaggebend. „Die Schweiz unterstützt nicht a priori einen Europäer“, sagte Weber. Auch überzeuge ihn das Argument nicht, dass ein europäischer Chef des Internationalen Währungsfonds stark in die Lösung der europäischen Schuldenkrise eingebunden sei. „Es könnte im Gegenteil besser sein, wenn ein Externer auf die ökonomischen Schwachstellen innerhalb der Eurozone hinweist“, sagte Weber.

Bis Ende kommenden Monats will der IWF einen Nachfolger für den zurückgetretenen Strauss-Kahn finden.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Lächerlich.

    Mexico ist ein gescheiterter Staat. Außerdem hat ganz Lateinamerika weniger Beteiligung am IWF als Spanien. Also erst zahlen, dann Maul aufmachen.

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