Kandidatur bei Parlamentswahlen
Putin gelingt „politische Sensation“

Wladimir Putin liebt die Macht ebenso wie die Überraschungen. Russlands Präsident hat das am Montag erneut unter Beweis gestellt und sich überraschend als Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten ins Spiel gebracht.

HB MOSKAU. Dies sei „ein ziemlich realistischer Vorschlag“, sagte Putin am Montag bei einer Konferenz der kremltreuen Partei „Vereintes Russland“, die auch den offiziellen Auftakt zum Wahlkampf der Partei markierte. Putin kündigte zudem an, die Liste der Partei bei den Parlamentswahlen am 2. Dezember anzuführen. Dies würde ihm einen Sitz im russischen Unterhaus, der Duma, garantieren.

Es sei aber noch zu früh, jetzt schon darüber nachzudenken, sagte Putin weiter. Zunächst müssten zwei Bedingungen erfüllt sein: Zum einen müsse seine Partei die Wahl im Dezember gewinnen. Zum anderen müsse eine „anständige, fähige und moderne Person, mit der ich im Team zusammenarbeite, in das Präsidentenamt gewählt werden“, sagte Putin.

Der Radiosender „Echo Moskwy“ wertete Putins Pläne, die eine Spitzenkandidatur für die Kremlpartei Geeintes Russland einschließen, als „politische Sensation“. Mit dem jüngsten Vorstoß bekommen jene Kräfte im Machtapparat Oberwasser, die ihr eigenes politisches Schicksal mit einem Abtreten Putins von der Staatsspitze in Gefahr sahen. Bislang hatte Putin in der Soldatensprache orakelt, er werde nach dem Ende der zweiten Amtszeit „seinen Platz im Glied finden“.

Anfangs hatten die staatsnahen Medien noch den Anschein vermittelt, als wolle Putin nach acht Jahren an der Spitze die Macht an einen ihm genehmen Kandidaten abtreten und sich selbst zurückziehen. Doch die Suche nach einem geeigneten Nachfolger schien nicht so recht zu gelingen.

Über Monate präsentierten die staatlichen Fernsehsender zunächst Vize-Regierungschef Dmitri Medwedew als großen Favoriten auf Putins Nachfolge. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende des Gasmonopolisten Gazprom schien aus welchen Gründen auch immer zur Mitte des Jahres nicht mehr die erste Wahl zu sein. An seine Stelle rückte der frühere Verteidigungsminister Sergej Iwanow, wie Putin ein Mann aus den Reihen des sowjetischen Geheimdienstes KGB, in den Umfragen zum Nachfolger 2008 ganz nach oben.

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