Kanzler in Kaliningrad
Schröder auf den Spuren Kants

Dem Gastgeber Putin war für den repräsentativen Dreier-Gipfel im Swetlogorsk in der russischen Enklave Kaliningrad nichts zu teuer.

HB KALININGRAD. Eigens hatte Wladimir Putin einen Tisch von zweieinhalb Meter Durchmesser in Auftrag gegeben. Die Mitte der polierten, weinroten Platte schmückte ein Bernsteinmosaik von einem halben Meter Durchmesser. Dort, am Rund des Konferenzsaals im Hotel Russ, 200 Meter entfernt von der samländischen Bernsteinküste, nahmen am Sonntag auch Gerhard Schröder und Jacques Chirac Platz. In gut gelaunter Stimmung sprachen die drei auch über viel Privates. Was Frau Doris zum bevorstehenden G8-Gipfel in Schottland denn anziehen werde, wollte der französische Präsident vom Kanzler wissen.

„Kühler als Sotschi, billiger als Rio und näher als Nizza“, lautet das anspruchsvolle Motto des Fremdenverkehrsamtes im einstigen deutschen Kurort Rauschen. Das knapp 50 Kilometer nordwestlich von Königsberg gelegene Seebad ist wohl der einzige Ort in Ostpreußen, der den Krieg ohne große Zerstörungen überstanden hat. Hinter baumbestandenen Alleen verstecken sich Jugendstilvillen aus der Kaiserzeit. Ein imposanter Wasserturm mit der angeblich größten Sonnenuhr Europas ist das Wahrzeichen des Ortes. Dazu eine Idylle mit steilen Klippen über dem weißen Sandufer vor der Ostsee.

Das neue Dreiertreffen der einstigen Irak-Kriegsgegner war eilig arrangiert worden - mit einem politischen Eiertanz hinter den Kulissen. Eigentlich wollte Putin nur mit seinem engen Freund aus Berlin als einzigem ausländischen Gast von Rang den 750. Geburtstag von Königsberg feiern und die Universität nach dem Philosophen Immanuel Kant benennen. Doch Schröder zierte sich lange, weil zu dem Jubiläum die Staatschefs der Nachbarländer Polen und Litauen außen vorbleiben sollten. Doch Putin einfach einen Korb zu geben, schien Schröder auch zu heikel, da bislang noch kein deutscher Regierungschef in die ehemalige deutsche Ostprovinz eingeladen war. Kurzfristig wurde deshalb Chirac hinzugebeten, um das Signal auszugeben, man müsse dringend noch über wichtige internationale Probleme sprechen.

Seite 1:

Schröder auf den Spuren Kants

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%