Kanzler will sich einschalten
Golf-Transrapid rückt näher

Der Golf-Staat Bahrain zeigt sich sehr interessiert am Bau eines Transrapid. Beim Besuch von Bundeskanzler Schröder haben Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate eine Kooperation in diesem Projekt angekündigt.

HB MANAMA. Die Chancen für den Bau des deutschen Transrapids in der Golf-Region haben deutlich an Schubkraft gewonnen. Beim Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Katar und Bahrain signalisierten beide Regierungen, sie wollten das Projekt ernsthaft in Erwägung ziehen. Schröder will sich in die Bemühungen direkt einschalten und die beiden Länder sowie die Vereinigten Arabischen Emirate bei der Realisierung des Projekts zusammen bringen. Nach einem Treffen des Kanzlers mit dem bahrainischen Ministerpräsidenten, Scheich Chalifa bin Salman al-Chalifa, am Mittwoch in der Hauptstadt Manama sagte Informationsminister, Mohammed Abdul Ghaffar, sein Land sei „sehr interessiert“ an dem Transrapidsystem. Deutschland könne bei der Realisierung eine wichtige Rolle spielen.

Auch Katars Emir, Hamad bin Chalifa Al-Thani bezeichnete nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder den Transrapidbau für die geplante Verbindung mit dem benachbarten Bahrain als „sehr wichtig“. Die beiden Länder hatten am Dienstag den Bau einer 45 Kilometer langen Brücke über den Persischen Golf im Grundsatz beschlossen, die beide Länder verbinden soll. Thyssen-Krupp, das zusammen mit Siemens das Transrapid-Projekt betreibt, vereinbarte bei dem Kanzlerbesuch die Errichtung einer eigenen Repräsentanz in der katarischen Hauptstadt Doha.

Für die Magnetschwebebahn kommt zunächst nur die Strecke zwischen Bahrain und Katar in Frage. Die Kosten werden auf 4,4 Milliarden Euro veranschlagt. Für die Planung werden zwei bis drei Jahre benötigt, für den Bau vier Jahre.

Eine Machbarkeitsstudie der Regierung Katars soll nach Angaben des deutschen Konsortiums zudem eine insgesamt 800 Kilometer lange Magnetbahntrasse bis in die Vereinigten Arabischen Emirate prüfen. Für den Bau dieser Strecke werden 13 Milliarden US-Dollar (9,9 Mrd Euro) veranschlagt. Es existieren auch bereits Pläne für eine 2000 Kilometer lange Strecke, die das Emirat Kuwait mit dem Sultanat Oman verbinden soll. Über das Schienentransportsystem gibt es aber noch keine Entscheidung.

Hochfliegende Pläne gibt es auch in Saudi-Arabien, wo es bislang nur eine Zugverbindung zwischen der Hauptstadt Riad und Damman im Osten gibt. Über dieses Vorhaben wurde auch beim Kanzlerbesuch in Riad gesprochen. Nach saudischen Angaben stehen derzeit knapp acht Milliarden Euro für den Aufbau eines Streckennetzes zur Verfügung. Vor allem die Strecke Dschidda - Mekka wäre für Millionen von Pilgern interessant.

Beim Kanzlerbesuch in Kuwait hatte Industrieminister Abdullah Thaweed von Plänen für den Bau einer Bahnstrecke von seinem Land bis nach Iran und Irak gesprochen. Schröder wies auf die Leistungsfähigkeit von deutschen Unternehmen hin, solche Projekte auszuführen.

Sollten deutsche Firmen beim Bahnbau in der Region Fuß fassen, würde damit an Traditionen angeknüpft. Unter deutscher Leitung wurde einst auch die „Hedschas“-Bahn gebaut. Ein außenpolitisches Prestigeprojekt des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. war auch die Bagdad-Bahn, die allerdings nie fertiggestellt wurde.

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