Kanzlerin-Debüt auf der Sicherheitskonferenz: Mit Scherzen, Charme und Schärfe

Kanzlerin-Debüt auf der Sicherheitskonferenz
Mit Scherzen, Charme und Schärfe

Zu Scherzen aufgelegt, Schärfe nicht gescheut: Mit ihrem ersten Auftritt als Kanzlerin bei der internationalen Sicherheitskonferenz hat Angela Merkel am Samstag ein selbstsicheres Debüt in München gegeben. Ihre mit Spannung erwartete Rede lobten prominente Teilnehmer als „wirklich gelungen und substanziell“.

HB MÜNCHEN. Ein Jahr nachdem sie auf dem Parkett der weltweit beachteten Tagung als Oppositionsführerin eher wenig Gehör fand, stand Angela Merkel diesmal im Rampenlicht. Merkel forderte einen engen Schulterschluss mit den USA und ein Zusammenrücken der Nato-Partner sowie die Bereitschaft zu Reformen auf der Ebene von Nato, EU bis hin zu den UN. Offene Gespräche trotz unterschiedlicher Meinungen seien nötig, ebenso die einhellige Unnachgiebigkeit im Umgang mit Iran sowie mit der palästinensischen Hamas, wenn diese ihren Kurs nicht ändern wollten. Ein Glanzstück legte Merkel mit ihren treffenden Worten im offenen Schlagabtausch mit dem iranischen Vize-Außenminister Abbas Araghchi hin.

Lauschte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Plenum der rund 300 Teilnehmer aus rund 50 Ländern ihren Worten anfangs noch zurückgelehnt und mit im Schoß gefalteten Händen, so richtete er sich bald auf und verfolgte sehr genau die Rede der Kanzlerin.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer wird Merkel im Anschluss eine „große Rede“ bescheinigen. Merkel habe mit ihrer grundlegenden Rede einen neuen Anstoß gegeben. Darauf werde die Allianz aufbauen können, sagte de Hoop Scheffer am Samstagabend in München. An diese Rede würden sich die Bündnispartner noch lange erinnern.

Den ersten Lacher erntete die Regierungschefin nach wenigen Minuten, als sie die Teilnehmer zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland einlud und schnell nachsetzte, „ich vergebe allerdings keine Karten“. Den ersten Beifall bekam sie nach knapp einer halben Stunde für ihre Mahnung an die Hamas, Israels Existenzrecht anzuerkennen und der Gewalt abzuschwören, solle es weiter Finanzhilfen für die Palästinenser aus bundesdeutschen Kassen geben.

Auch ihre Mahnung an Iran bedachten die Teilnehmer mit Applaus. Charmant lächelte die Kanzlerin in Rumsfelds Richtung, als sie dessen allgemeine Forderung nach Aufstockung der Verteidigungsetats mit Verweis auf Haushaltsknappheit verneinte. Unbeirrbar antwortete sie dem stellvertretenden iranischen Außenminister für internationale Beziehungen, Abbas Araghchi, als er in der Diskussion die angeblich ungerechtfertigte Vorverurteilung seines Landes als Terrorgefahr beklagte und auf das Recht Irans zur Urananreicherung pochte.

Merkel rief die Bündnispartner auf, wieder mehr über Strategien zu diskutieren. Damit knüpfte sie inhaltlich an die Rede ihres Vorgängers Gerhard Schröder (SPD) vom vergangenen Jahr an. Schröder hatte sich damals aus Krankheitsgründen der Debatte in München nicht stellen können, Merkel nutzte die Chance für klare Worte zur NATO- Zukunft.

Sichtlich stolz zeigte sich der langjährige Konferenzleiter und frühere Kanzlerberater Horst Teltschik nach Merkels „sehr klarer und wegweisender Rede, die alle zentralen strategischen Themen angesprochen hat“. Genüsslich erinnerte er an seine Worte vor Jahresfrist, man wisse nie, ob Oppositionsführer nicht als Regierende wiederkommen. Und prompt sei es genau so geschehen.

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