Doch für diese Unterschiede sind viele unserer Zeitgenossen nicht mehr empfänglich. Für sie sind Marktwirtschaft und Kapitalismus Zwillingsbrüder, weshalb der eine wie der andere keine Schonung verdient. Jene bildungsfernen Schichten in den Handelssälen der Investmentbanken, die außer Hörweite des Sozialen ihren Geschäften nachgehen, werden gleichgesetzt mit dem Unternehmer, der forscht, herstellt und verkauft, der sich um seine Mitarbeiter kümmert, als seien sie Teil der eigenen Familie. Und niemand fühlte sich berufen, den befleckten Ruf der Marktwirtschaft und ihrer Freunde zu verteidigen.
Viele Marktgläubige sind zur Staatsgläubigkeit konvertiert. Ihre Verehrung gilt nun einem ökonomischen Führerstaat, der reguliert und quotiert. Der aufteilt, zuteilt, umverteilt. Der weiß, wo es langgeht, oder zumindest so tut, der Lebensrisiken begrenzt, auch um den Preis, dass er Lebenschancen limitiert. Die unsichtbare Hand des Marktes, diese das vergangene Jahrhundert prägende Metapher des Adam Smith, wird durch die stählerne Hand des Staates ersetzt. Die soll richten, was die andere angerichtet hat. Der Instrumentenkasten, mit dem man einem freiheitlichen Wirtschaftssystem beikommen will, ist prall gefüllt. Regulierung ist das Codewort, das sich die Gegner der Marktwirtschaft zuraunen.
Wer nun glaubt, die Feinde der Marktwirtschaft säßen vor allem auf der Linken, täuscht sich. Da sitzen sie auch. Aber sie sind weitgehend als Romantiker enttarnt. Die wirklichen Feinde der Marktwirtschaft sind jene, die sich als ihre Freunde ausgeben. Aus ihrem Innersten heraus haben sie ein größenwahnsinniges Projekt gestartet, das sich mit der Überschrift "Geld schafft Geld" betiteln lässt. Der alte Zusammenhang, dass sich Geld in einer Art chemischen Reaktion durch den Zusatz von "Arbeit" und "Rohstoff" in eine Ware verwandelt, bevor diese ihren Mehrwert in einem Grande Finale wieder in Geld ausdrückt, sollte verkürzt werden. Die Geldindustrie versuchte, Geld aus Geld zu schöpfen, und hat damit der Marktwirtschaft den bisher empfindlichsten Schlag versetzt.
Hier haben Schirrmacher, Habermas und all die anderen Kritiker der real existierenden Marktwirtschaft das Argument auf ihrer Seite. Es kam zur Degeneration. Unübersehbar sind die Zeichen der Entartung. Das Treiben auf den Finanzmärkten dient, wie ja unschwer zu erkennen ist, nicht dem Wohlstand der Nationen.
Wenn ich Peter Scholz1 richtig verstehe, dann meint er, das was wir als Marktwirtschaft erleben, ist weder eine Soziale Marktwirtschaft, und das, was uns als "lupenreine" Demokratie vorgeführt wird, zumindest in einigen Bereichen schon weit weg von den Regeln einer reinen Demokratie. Da kann man ihm nur voll zusrimmen: Seit Jahrzehnten werden die beiden Begriffe zunehmend einseitig als Persilscheine für höchst eigennütziges Verhalten genutzt. Seit wir vor 40 Jahren in die Politik das Hauen und Stechen eingeführt haben, kommt niemand mehr auf die Idee, gemeinsame Ziele der Gesellschaft zu unterstützen. Seit der Anständige der Dumme ist, nimmt jeder was er kriegen kann: Die ganz oben die Millionen im Hunderterpack und die unten in der Schwarzarbeit. Über JAhrzehnte wurde unsere Gesellschaft in hinterhältiger politischer KAmpftechnik trainiert. Langsam beherrscht jeder diese Unsitte. Ludwig Erhard ("Wohlstand für Alle") und Friedrich A. Hayek ("Der Weg zur Knechtschaft") sollte zur Pflichlektüre zumindest in weiterführenden Schulen werden.
Warum die Marktwirtschft ist, wie sie ist.
http://kapitalismuskritik.org
Stimmt,"Demokratie ist Ramsch", und in seiner höchsten Vollendung eine Diktatur; die des Proletariates, die des Kapitals oder ...?
Marktwirtschaft setzt eine handlungsfähige Demokratie voraus und da liegt der Knackpunkt: Politik hat sich zur Hure des Kapitals gemacht, weil sie keine Haushaltsdisziplin halten kann und den Wirtschaftsraum überdies noch falsch gestaltet.
Vielleicht hat die Evolution für uns noch Schwimmhäute parat.
http://www.bps-niedenstein.de/
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