Angriff auf die Marktwirtschaft

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Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht dasselbe

Ein Unterschied allerdings ist bedeutsam, der heute von vielen verschwiegen wird: Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht dasselbe. Die Marktwirtschaft setzt auf den Wettbewerb, auf Miteinander durch Gegeneinander, auf Reibung, Austausch und Kooperation zwischen Kapital und Arbeit. Marktwirtschaft und Monopol sind zwei Begriffe, die sich abstoßen. Wer Marktwirtschaft sagt, der sagt auch Staat.

Wer Kapitalismus sagt, der sagt auch Staat, aber er sagt es in verächtlichem Ton. Er verlangt dessen Unterordnung. Sein heimliches Ideal ist die staatsfreie Zone. Er will die Gesellschaft aufspalten in ihre Atome, und weil er ahnt, dass ihm das nie ganz gelingen wird, versucht er, Staatlichkeit zu narkotisieren. Nur ein Staat, der vor sich hindämmert, ist für den Kapitalisten ein guter Staat. Erst eine Gewerkschaft, die sich als Nostalgieverein zum Gedenken verpasster Siege versteht, wächst ihm ans Herz.

„Occupy”-Proteste in Frankfurt und Berlin

Politik „Occupy”-Proteste in Frankfurt und Berlin

Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft wird am deutlichsten, wenn man auf ihren Umgang mit den Verlierern der Gesellschaft schaut. Der Kapitalismus kennt ihnen gegenüber keine Gnade, er sieht sich als das ökonomische Gegenstück zur jakobinischen Revolution, die auch keine Gefangenen machte. Beeindruckt von Stärke und Stringenz der eigenen Gedankenwelt herrscht im Kopfe des Kapitalisten eine urwüchsige Kopf-ab-Mentalität, in der Mitgefühl als Willensschwäche erscheint.

Die Marktwirtschaft ist deutlich bescheidener, sie kennt ihre Macken. Sie begreift sich als ein menschengemachtes Ordnungsprinzip, in dem staatliche Instanzen immer wieder eingreifen müssen, um Anarchie, Massenarmut und Monopole zu vermeiden. Der Marktwirtschaftler weiß um die Unvollkommenheit seiner Idee.

Auch die Marktwirtschaft lässt Verlierer zu, wie jedermann bestätigen wird, der die Wohn- und Schlafstätten des Prekariats besucht hat. Aber sie tut es in der festen Absicht, die Marginalisierten und Verlorenen in der nächsten Runde wieder am Spiel zu beteiligen. Schon aus Gründen der ökonomischen Effizienz will sie aus jedem Almosenempfänger einen Steuerzahler machen.

101 Kommentare

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  • 04.03.2012, 19:06 UhrZauberlehrling

    Wenn ich Peter Scholz1 richtig verstehe, dann meint er, das was wir als Marktwirtschaft erleben, ist weder eine Soziale Marktwirtschaft, und das, was uns als "lupenreine" Demokratie vorgeführt wird, zumindest in einigen Bereichen schon weit weg von den Regeln einer reinen Demokratie. Da kann man ihm nur voll zusrimmen: Seit Jahrzehnten werden die beiden Begriffe zunehmend einseitig als Persilscheine für höchst eigennütziges Verhalten genutzt. Seit wir vor 40 Jahren in die Politik das Hauen und Stechen eingeführt haben, kommt niemand mehr auf die Idee, gemeinsame Ziele der Gesellschaft zu unterstützen. Seit der Anständige der Dumme ist, nimmt jeder was er kriegen kann: Die ganz oben die Millionen im Hunderterpack und die unten in der Schwarzarbeit. Über JAhrzehnte wurde unsere Gesellschaft in hinterhältiger politischer KAmpftechnik trainiert. Langsam beherrscht jeder diese Unsitte. Ludwig Erhard ("Wohlstand für Alle") und Friedrich A. Hayek ("Der Weg zur Knechtschaft") sollte zur Pflichlektüre zumindest in weiterführenden Schulen werden.

  • 27.02.2012, 20:56 UhrAnonymer Benutzer: kritikleser

    Warum die Marktwirtschft ist, wie sie ist.

    http://kapitalismuskritik.org

  • 18.12.2011, 13:36 UhrPeterScholz1

    Stimmt,"Demokratie ist Ramsch", und in seiner höchsten Vollendung eine Diktatur; die des Proletariates, die des Kapitals oder ...?
    Marktwirtschaft setzt eine handlungsfähige Demokratie voraus und da liegt der Knackpunkt: Politik hat sich zur Hure des Kapitals gemacht, weil sie keine Haushaltsdisziplin halten kann und den Wirtschaftsraum überdies noch falsch gestaltet.
    Vielleicht hat die Evolution für uns noch Schwimmhäute parat.

    http://www.bps-niedenstein.de/

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