Aber in Wahrheit geht es Schirrmacher und Habermas nicht um Griechenland und dessen Rettung. Sie verteidigen die Demokratie, um die Marktwirtschaft zu treffen. Die demokratische Empörung ist nur die Kugel, die sie auf "die Märkte" abfeuern. Im Zentrum der Treibjagd steht groß und dämonenhaft der "verwilderte Finanzkapitalismus" (Habermas). Es gelte, "das Primat des Ökonomischen" (Schirrmacher) zu erlegen.
Die These von der Kollektivschuld erfährt bei Schirrmacher und Habermas ihre zeitgemäße, weil ökonomische Interpretation. Die Märkte sind schuld. Sie erpressen, sie entmündigen, sie deformieren. Das neue Böse sieht aus wie ein Investmentbanker.
So kommt es zur Umdeutung der für das Funktionieren der Marktwirtschaft zentralen Kategorien. Leistungswille wird mit Gier übersetzt, Erfolg mit Unbarmherzigkeit, die Fortschrittsgeschichte der Marktwirtschaft, die aus Aufstieg und Fall, aus Versuch und Irrtum besteht und immer bestanden hat, wird umgeschrieben in eine Bedrohungssaga. Der Nihilist Friedrich Nietzsche erscheint nun als Seher, denn er hat es schließlich schon immer gewusst: "Wo Geld klingelt, da herrscht die Hure."
Dabei ist die Marktwirtschaft seit jeher ein höchst unvollkommenes System, das Ordnung, Stabilität und Vollkommenheit anstrebt, ohne sie je erreichen zu können. Sie ist ein natürliches Ungleichgewichtssystem, das von einer Instabilität zur nächsten stolpert. Die Balance zwischen Angebot und Nachfrage ist ihr Ziel, aber eben nicht ihr Zustand. Das wird ihr nun zum Verhängnis.
Schon Wilhelm Röpke wusste, dass die Marktwirtschaft die Voraussetzungen, die sie zum Leben braucht, nicht selbst hervorbringen kann. Sie ist schutz-, pflege- und permanent korrekturbedürftig. Sie ist ein Verfahren der Annäherung, kein Finalzustand. Weil alles unvollständig ist, auch die Information über die Märkte und die auf ihnen feilgebotenen Produkte, kommt es zu Marktunvollkommenheiten am laufenden Band. Die Marktwirtschaft selbst ist ein systemisches Risiko.
Wenn ich Peter Scholz1 richtig verstehe, dann meint er, das was wir als Marktwirtschaft erleben, ist weder eine Soziale Marktwirtschaft, und das, was uns als "lupenreine" Demokratie vorgeführt wird, zumindest in einigen Bereichen schon weit weg von den Regeln einer reinen Demokratie. Da kann man ihm nur voll zusrimmen: Seit Jahrzehnten werden die beiden Begriffe zunehmend einseitig als Persilscheine für höchst eigennütziges Verhalten genutzt. Seit wir vor 40 Jahren in die Politik das Hauen und Stechen eingeführt haben, kommt niemand mehr auf die Idee, gemeinsame Ziele der Gesellschaft zu unterstützen. Seit der Anständige der Dumme ist, nimmt jeder was er kriegen kann: Die ganz oben die Millionen im Hunderterpack und die unten in der Schwarzarbeit. Über JAhrzehnte wurde unsere Gesellschaft in hinterhältiger politischer KAmpftechnik trainiert. Langsam beherrscht jeder diese Unsitte. Ludwig Erhard ("Wohlstand für Alle") und Friedrich A. Hayek ("Der Weg zur Knechtschaft") sollte zur Pflichlektüre zumindest in weiterführenden Schulen werden.
Warum die Marktwirtschft ist, wie sie ist.
http://kapitalismuskritik.org
Stimmt,"Demokratie ist Ramsch", und in seiner höchsten Vollendung eine Diktatur; die des Proletariates, die des Kapitals oder ...?
Marktwirtschaft setzt eine handlungsfähige Demokratie voraus und da liegt der Knackpunkt: Politik hat sich zur Hure des Kapitals gemacht, weil sie keine Haushaltsdisziplin halten kann und den Wirtschaftsraum überdies noch falsch gestaltet.
Vielleicht hat die Evolution für uns noch Schwimmhäute parat.
http://www.bps-niedenstein.de/
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