Kapitallücke
Zypern setzt auf bilaterale Kredite

Eine Kapitallücke von fast 2 Milliarden Euro klafft bei der zweitgrößten Bank Zyperns. Um die zu schließen, setzt Zypern auf bilaterale Kredite. Unter den Rettungsschirm will das Land vorerst nicht.
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Nikosia/WashingtonDas klamme Zypern will Medienberichten zufolge den Gang unter den Euro-Rettungsschirm möglichst vermeiden. Es sei zwar noch keine endgültige Entscheidung über einen Antrag gefallen, berichteten Zeitungen des Landes am Mittwoch. Die Regierung richte ihre Bemühungen derzeit aber eher darauf, bilaterale Kredite zu erhalten, hieß es. Zypern braucht vor allem Geld, um eine Kapitallücke bei der zweitgrößten Bank des Landes, der Cyprus Popular, zu schließen. Dabei geht es um etwa 1,8 Milliarden Euro, was zehn Prozent der zyprischen Wirtschaftsleistung entspricht.

Finanzminister Vassos Shiarly sagte am Dienstagabend im staatlichten Fernsehen, bilaterale Krediten seien nicht abwegig. Zudem bekräftigte er, bei der Rettung der Bank „nicht bis zum letzten Tag“ warten zu wollen. Die Rekapitalisierung der Bank muss bis zum 30. Juni abgeschlossen sein. Zypern hatte sich erst voriges Jahr 2,5 Milliarden Euro von Russland geliehen, auch über China als neuen Geldgeber wird spekuliert. Sollte aus diesen Ländern Geld fließen, würde das in der EU wohl zu skeptischen Blicken führen - nicht zuletzt, weil Zypern zum 1. Juli die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernimmt.

Shiarly hatte zuletzt am Montag auf die Dringlichkeit des Themas hingewiesen. „Wir wissen, dass die Rekapitalisierung der (zyprischen) Banken bis zum 30. Juni abgeschlossen sein muss“, hatte er gesagt. Auf die Frage, ob potenzielle Hilfe nur auf die Banken beschränkt sei, erklärt er, es gehe eher um ein umfassendes Paket. „Wenn man sich an den Stützungsmechanismus wendet, dann berücksichtigt man alle Tatsachen, einschließlich des Bedarfs, der künftig entstehen könnte. (...) Entsprechend wäre es eine umfassende Anfrage, die nicht nur aktuelle Umstände abdeckt und die Rekapitalisierung der Banken, sondern auch künftige Erfordernisse.“

Zypern steckt tief in der Rezession. Auf der östlichen Mittelmeerinsel lasten neben der europaweiten Schuldenkrise vor allem Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und die Folgen für das heimische Bankensystem. Das Land steht für lediglich 0,2 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft in der Euro-Zone. Am Wochenende hatte Spanien angekündigt, als viertes Land nach Griechenland, Irland und Portugal Finanzhilfen seiner Euro-Partner anzuzapfen. Allerdings will die Regierung in Madrid nur Kredite für seinen Bankensektor beantragen und damit strenge Auflagen seiner Geldgeber für das gesamte Land umgehen.

Derweil bleibt die US-Ratingagentur Moody's skeptisch. Sie hatte am Dienstag die Kreditwürdigkeit von zwei zyprischen Banken herabgestuft. Die Agentur setzte die Note der Bank of Cyprus von B1 auf B2 und der Hellenic Bank von B1 auf Ba3 herab. Zudem werde eine weitere Herabstufung der Cyprus Popular Bank geprüft, hieß es. Moody's begründete die Entscheidung damit, dass die drei Banken wegen ihres starken Engagements in Griechenland von einem möglichen Austritt des Staates aus der Eurozone besonders betroffen wären.

Moody's nannte die Möglichkeit eines griechischen Austritts aus der Eurozone „substantiell“. Diese Möglichkeit könnte nach den erneuten Neuwahlen am Sonntag in Griechenland weiter zunehmen, urteilte die Ratingagentur. Nach Spanien gilt Zypern als möglicher nächster Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds. Vergangene Woche gestand die Regierung ein, dass das Land wegen den Auswirkungen der Krise in Griechenland auf die Banken in Zypern möglicherweise gezwungen sei, sich an die EU um Hilfe zu wenden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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