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25.07.2008 
Nach der Verhaftung werden immer mehr Details bekannt

Karadzic arbeitete als „Wunderheiler“ in Wien

Der verhaftete ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat einem Bericht zufolge während seiner Fluchtjahre auch in Österreich als „Wunderheiler“ gearbeitet. In Belgrad demonstrieren Ultranationalisten weiter gegen Karadzics Verhaftung.

Ultranationalisten demonstrieren in Belgrad gegen Karadzics Verhaftung. Foto: apLupe

Ultranationalisten demonstrieren in Belgrad gegen Karadzics Verhaftung. Foto: ap

HB WIEN/BELGRAD. Unter dem Namen „Pera“ habe er in Wien in den Häusern serbischer Familien Patienten empfangen, berichtete der „Kurier“ am Freitag unter Berufung auf ein nach eigenen Angaben von Karadzic behandeltes Ehepaar.

Die Eheleute hätten Karadzic Mitte 2006 wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches aufgesucht, berichtete die Tageszeitung weiter. Zuletzt habe das Paar vor mehr als einem Jahr mit ihm Kontakt gehabt. Laut „Kurier“ wohnte der frühere bosnische Serbenführer während seiner bis zu dreitägigen Aufenthalte in Wien bei serbischen Familien.

Die serbische Regierung teilte unterdessen mit, Dragan Dabic, dessen Identität Karadzic angenommen hatte, sei am Leben. Der 66-jährige Bauer und Bauarbeiter aus Ruma nördlich von Belgrad sei entsetzt gewesen, als er erfahren habe, dass einer der weltweit meistgesuchten Kriegsverbrecher unter seinem Namen gelebt habe, erklärte der Regierungsbeamte Rasim Ljaric am Donnerstag. Die Identität in den Pässen der beiden Männer stimme 100-prozentig überein – bis auf das Foto.

Der echte Dragan Dabic wurde am Donnerstagabend in Ruma von Reportern umringt. Auch die Polizei war zur Stelle und vernahm den Mann, um etwaige Verbindungen zu Karadzic zu eruieren. Dabic zeigte sich empört darüber, dass er einer solchen Prozedur unterzogen werden solle.

Ursprünglich hatte es geheißen, der Namensgeber Dragan Dabic sei während des Bosnien-Kriegs 1993 ums Leben gekommen, was Karadzic die ideale Chance geboten habe, dessen Identität zu stehlen. Allerdings ist der Name nicht ganz selten. Allein in Belgrad stießen die Behörden nach eigenen Angaben auf sieben Personen dieses Namens. Einige davon waren in jüngerer Zeit gestorben, andere lebten noch.

Am Donnerstagabend demonstrierten erneut mehrere hundert Ultranationalisten gegen Karadzics Verhaftung. Die Demonstranten riefen in Sprechchören Karadzics Namen und kritisierten die prowestliche serbische Regierung. Ein Kameramann des unabhängigen Fernsehsenders B-92 wurde bei einem Angriff von Demonstranten leicht verletzt.

Der wegen Kriegsverbrechen vom Internationalen Tribunal in Den Haag angeklagte Karadzic war am Montag nach mehr als zehnjähriger Flucht festgenommen worden. Er soll in den nächsten Tagen an das Haager Tribunal überstellt werden.

Noch immer flüchtig ist der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic, ehemals die rechte Hand von Karadzic. Eine genaue Liste mit sieben Wohnungen, in denen sich bis Januar 2006 der untergetauchte Mladic versteckt haben soll, hat die Zeitung „Politika“ am Freitag in Belgrad veröffentlicht.

Es handele sich um Adressen, die schon seit zwei Jahren bekannt seien und eine zentrale Rolle im laufenden Prozess gegen elf angebliche Helfershelfer des früheren Generals spielten, berichtete das Blatt weiter. Bis auf eine Ausnahme befinden sich diese Wohnungen alle in Neu-Belgrad.

Der frühere Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg ist vom Uno-Tribunal seit 13 Jahren wegen schwerster Kriegsverbrechen angeklagt. Bis 2001 konnte er sich in Serbien völlig frei bewegen und war zuletzt in einem Belgrader Fußballstadion gesehen worden. Seitdem hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, der als „Schlächter vom Balkan“ bekanntgewordene Mladic werde von der Armee in deren Kasernen versteckt. Die Militärführung hat das stets bestritten. Die Regierung hatte wiederholt beteuert, sie kenne den Aufenthaltsort von Mladic nicht.

Die USA und die EU haben nach der Verhaftung von Karadzic, auch die unverzügliche Festsetzung von Mladic verlangt.

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