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23.07.2008 
Vor der Auslieferung

Karadzic will sich selbst verteidigen

Er ist angeklagt, im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben: Nun will sich der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic vor dem Haager Uno-Tribunal selbst verteidigen.

Die Tarnung von Karadzic mit langen Haaren und Bart soll nun verschwinden. Foto: dpaLupe

Die Tarnung von Karadzic mit langen Haaren und Bart soll nun verschwinden. Foto: dpa

HB BELGRAD. Der in Serbien verhaftete Karadzic will sich nach Angaben seines Anwalts in Serbien, Svetozar Vujacic, selbst verteidigen. Der Anwalt sagte am Mittwoch, sein Klient sei in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Er spreche nicht mit den Ermittlern: „Er verteidigt sich durch Schweigen.“ Karadzic habe ein Team von Anwälten in Serbien, werde sich in Den Haag aber selbst verteidigen. „Er ist überzeugt, dass er mit Gottes Hilfe gewinnen werde“, sagte Vujacic.

Karadzic lebte als Arzt unter falschem Namen in einem Vorort von Belgrad. Er tarnte sich mit langem Haar, einer großen Brille mit dicken Gläsern und einem dichten Bart. Jetzt habe er aber darum gebeten, dass ihm die Haare geschnitten und der Bart rasiert werde, sagte sein Anwalt: „Ich gehe davon aus, dass ich ihn heute mit kurzen Haaren und ohne Bart sehe.“

Die Auslieferung von Karadzic könnte an diesem Wochenende erfolgen. Anwalt Vujacic erklärte jedoch, er werde gegen das Auslieferungsgesuch am Freitag Berufung einlegen. Dann läuft eine Frist aus, die es der Familie des Angeklagten bislang verwehrte, Bosnien zu verlassen. Karadzics Frau und Kinder warten derzeit auf die offizielle Erlaubnis, nach Serbien zu reisen.

Karadzics Bruder Luka erklärte inzwischen, Radovan habe sich im Januar 2009 selbst stellen wollen. „Denn dann startet das Haager Tribunal keine neuen Prozesse mehr.“ Nach Ansicht vieler Serben ist das Haager Uno-Tribunal keine neutrale Instanz. Auch Luka Karadzic betonte, es wäre seiner Meinung nach fairer, wenn sein Bruder direkt in Serbien ein Verfahren bekäme, in Anwesenheit eines internationalen Richters.

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