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08.01.2009 
Gaza-Konflikt

Kardinal vergleicht Gazastreifen mit KZ

Der Vergleich des Gazastreifens mit einem Konzentrationslager durch einen hochrangigen Berater von Papst Benedikt XVI. ist auf scharfe Kritik gestoßen. Der Zentralrat der Juden forderte Papst Benedikt XVI. im Gespräch mit Handelsblatt.com auf, als Kirchenoberhaupt Klarheit zu schaffen.

Einer seiner Berater bringt Papst Benedikt XVI. in Bedrängnis. Foto: dpaLupe

Einer seiner Berater bringt Papst Benedikt XVI. in Bedrängnis. Foto: dpa

dne/HB VATIKAN-STADT/DÜSSELDORF. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Äußerungen des Menschenrechtsbeauftragten des Vatikan, Kardinal Renato Martino, wonach der Gaza-Streifen einem großen Konzentrationslager gleiche, als "infam" zurückgewiesen. Martinos Äußerungen zeigten, "dass er entweder böswillig antiisraelische Propaganda zu verbreiten versucht, oder aber keinen blassen Schimmer von den Todesbedingungen in einem Konzentrationslager" habe, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Kramer forderte Papst Benedikt XVI. auf, als Kirchenoberhaupt "Klarheit zu schaffen, denn Kardinal Martino scheint dies, wie man an seinen untauglichen Relativierungsversuchen sieht, nicht zu können".

Martino hatte seine Äußerungen in einer italienischen Zeitung mit den Worten bekräftigt: "Sie können sagen, was sie wollen, die Lage in Gaza ist schrecklich." Kramer sagte, Martino relativiere damit nicht nur den Holocaust und die Leiden der Opfer des NS-Regimes, sondern er bediene auch antisemitische und antiisraelische Klischees. "Beim Einsatz für Menschenrechte sind Seriosität und Glaubwürdigkeit gefordert", sagte Kramer. Beides lasse Martino "deutlich" vermissen. "Er schadet dem Ansehen der katholischen Kirche." Mit seinem "unqualifizierten historischen Vergleich" sei er "mehr als fragwürdig".

Das Vokabular von Kardinal Renato Martino sei schockierend und gleiche der Propaganda der radikal-islamischen Hamas, sagte auch ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem am Donnerstag. „Wir sind erstaunt, Worte von einem geistlichen Würdenträger zu hören, die so weit entfernt von der Wahrheit und Würde sind.“

Das israelische Außenministerium reagierte damit auf ein am Vortag erschienenes Interview einer italienischen Online-Zeitung. Darin erklärte Martino: „Es ist immer die schutzlose Bevölkerung, die den Preis bezahlt. Schauen wir uns die Lebensbedingungen im Gazastreifen einmal an: Das ähnelt immer mehr einem riesigen Konzentrationslager.“ Das Simon-Wiesenthal-Zentrum verglich Martino, der dem Vatikan-Rat für Justiz und Frieden vorsitzt, mit einem Holocaust-Leugner.

Papst Benedikt ging in einer Rede an Diplomaten aus rund 170 Ländern am Donnerstag nicht auf die Worte Martinos ein. Er appellierte jedoch an Israel und die Hamas, die Gewalt zu beenden. Die Auseinandersetzung bedeute großes Leid für die Zivilbevölkerung.

Bei den seit zwei Wochen anhaltenden Kämpfen im Gazastreifen wurden bislang nach Angaben von Medizinern mehr als 660 Palästinenser getötet. Israelische Kampfflugzeuge setzten am Donnerstag ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Das Land hat angekündigt, es werde so lange gegen die Hamas vorgehen, bis diese keine Raketen mehr in den Süden Israels abfeuern könne.

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