Karikatur-Proteste
Deutsche Flagge brennt in Teheran

Die Proteste aufgebrachter Muslime in aller Welt weiten sich noch aus. In Afghanistan und im Libanon gab es bei Protestaktionen gegen die Mohammed-Karikaturen erste Todesopfer. Die österreichische Botschaft büßte alles Fensterglas ein - vor der Tür wurde eine deutsche Flagge in Brand gesteckt.

HB TEHERAN. Nach Augenzeugenberichten hatten die etwa 200 Demonstranten mit Brandsätzen versucht, das Botschaftsgebäude in Brand zu setzen. Es sei den Randalierern aber lediglich gelungen, das Tor der Botschaft anzuzünden. Dann sei bereits die Feuerwehr angerückt und habe das Feuer gelöscht. Mit Steinen seien alle Fenster der Vertretung eingeschlagen worden.

Bevor die Demonstranten von der Polizei aus dem Teheraner Diplomatenviertel vertrieben wurden, setzten sie die Flaggen jener Länder in Brand, in denen die als beleidigend empfundenen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt worden waren. Unter anderem gingen eine deutsche und eine britische Flagge in Flammen auf.

Am Montagabend ordnete die iranische Regierung den sofortigen Abbruch aller Handelsbeziehungen mit Dänemark an. Wie der Rundfunk in Kopenhagen berichtete, wurde der Schritt als „Vergeltung“ für die Veröffentlichung der Karikaturen in Dänemarks größter Zeitung „Jyllands-Posten“ begründet. Aus dem Handelsministerium wurde weiter angekündigt, dass allen dänischen Schiffen beim Anlaufen iranischer Häfen „besonders hohe“ Gebühren auferlegt würden. Nach Angaben des Industrieverbandes DI belaufen sich die dänischen Ausfuhren nach Iran nur auf 1,3 Milliarden Kronen (175 Millionen Euro) jährlich. Die Zuwachsrate habe dabei allerdings zuletzt 50 Prozent betragen.

In Österreich weigerten sich am Montag mehrere dutzend Zeitungsausträger muslimischen Glaubens, die „Kleine Zeitung“ auszutragen, die die Karikaturen nachgedruckt hatte. 1 000 Abonnenten hätten ihre Zeitung deswegen nicht im Briefkasten gehabt. „Wir sprechen mit den Streikenden“, sagte Grossist Kurz Schügerl. Wer sich am Dienstag weiter weigere, die „Kleine Zeitung“ auszutragen, werde entlassen. Zuvor hatten zwei weitere österreichische Zeitungen die Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, „Der Standard“ sowie „Die Presse“.

In der afghanischen Stadt Bagram wurden drei Demonstranten von US-Soldaten und einheimischen Sicherheitskräften erschossen. Nach Angaben der Behörden erwiderten die Truppen das Feuer, nachdem sie aus den Reihen des Protestzugs beschossen worden waren. Zuvor war bereits in der ostafghanischen Stadt Mehtarlam ein Demonstrant getötet worden.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut starb einer der Männer, die am Vortag das dänische Konsulat gestürmt und in Brand gesetzt hatten. Er sei einer schweren Kopfverletzungen erlegen, teilte die Polizei mit. Der libanesische Innenminister Hassan Sabeh hatte nach den schweren Krawallen, die von der Polizei nicht verhindert werden konnten, seinen Rücktritt erklärt.

Aufgebrachte Muslime demonstrierten auch in Iran, Ägypten, Indonesien, Thailand, Indien, in den Philippinen und in den Palästinensergebieten gegen die Karikaturen. In der Stadt Gaza attackierten Dutzende Palästinenser wieder das seit Tagen geschlossene EU-Büro. Augenzeugen berichteten, die Randalierer hätten eine Fahne mit den Emblemen der Europäischen Union verbrannt und das Gebäude mit Steinen beworfen.

In Kairo führte Scheich Mohammed Said Tantawi als Oberhaupt der einflussreichsten religiösen Institution im sunnitischen Islam eine Demonstration von rund 10 000 Studenten und Lehrkräften auf dem Gelände der Al-Azhar Universität in Kairo an. Er stellte sich hinter den Aufruf zur „Fortsetzung des Boykotts“ dänischer Produkte.

In Dänemark erklärte sich „Jyllands-Posten“ zu einem Treffen mit Imamen (Vorbetern) der Islamischen Glaubensgemeinschaft im Land für eine gemeinsame Erklärung bereit. Als Sprecher der Glaubensgemeinschaft hatte Imam Ahmed Akkari vorgeschlagen, dass „Jyllands-Posten“ sich gegenüber Muslimen in einer gemeinsamen Erklärung „unzweideutig“ für die Veröffentlichung der Karikaturen vor vier Monaten entschuldigt. Umgekehrt würden die Imame zur Beendigung der Proteste aufrufen. Dänemarks Außenministerium weitete seine Reisewarnungen am Montag auch auf von Touristen stark besuchte nordafrikanische Länder wie Tunesien, Marokko und auf Ägypten aus.

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