Karikaturen-Streit: Moslems stürmen dänische Botschaft in Jakarta

Karikaturen-Streit
Moslems stürmen dänische Botschaft in Jakarta

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben militante Moslems das Haus gestürmt, in dem die dänische Botschaft untergebracht ist. Sie protestierten gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed und forderten die Aufgabe der diplomatischen Beziehungen zwischen Indonesien und Dänemark sowie die Ausweisung des dänischen Botschafters aus dem Land.

HB JAKARTA. Die etwa 300 Moslems der extremen „Islamischen Verteidigungsfront“ (FPI) drangen nach Angaben eines Augenzeugen in die Lobby des Gebäudes ein, in dem die Botschaft untergebracht ist. Sie zerschlugen Lampen mit Bambusstöcken und warfen Stühle umher. Auf das Schild der dänischen Botschaft waren sie faule Eier und Tomaten.

Die Botschaft selbst liegt im 25. Stock des Gebäudes. Bis dahin drang die Menge aber nicht vor, da sie an den Sicherheitskräften in der Lobby nicht vorbeikam. Etwa 100 indonesische Polizisten beobachteten den Protest, der nach einer Stunde beendet war. Verhaftet wurde offenbar niemand.

Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im September abgedruckt. Mittlerweile hat sich das Blatt dafür entschuldigt, Anstoß erregt zu haben. Gleichzeitig steht die Zeitung zu der Entscheidung, die Karikaturen abgedruckt zu haben. Eine der Zeichnungen zeigte den Stifter des Islams mit einem wie eine Bombe geformten Turban. Zeitungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz und Ungarn haben die Karikaturen in dieser Woche nachgedruckt und darauf bestanden, die Pressefreiheit sei wichtiger als die Proteste und Boykotte, die die Zeichnungen ausgelöst hätten.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, sprach von „Provokation“. Die Karikaturen zeigten den islamischen Propheten in „entwürdigender Weise“. Proteste dagegen seien „legitim, solange sie gewaltfrei bleiben“, sagte Elyas der „Welt“. Muslime würden sich ebenso empören, wenn etwa Jesus in ähnlicher Form dargestellt würde, fügte er hinzu.

UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigt sich von der Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen „betroffen". In einer Erklärung Annans hieß es, „die Freiheit der Presse sollte immer so ausgeübt werden, dass auch der religiöse Glauben und die Grundsätze aller Religionen voll respektiert werden.“ Annan rief dazu auf, den Streit in „friedvollem Dialog und gegenseitigem Respekt“ zu lösen.

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