Karikaturenstreit
Dänen ziehen Diplomaten ab

Dänemark hat alle diplomatischen Vertreter aus Syrien, Iran und Indonesien abgezogen. Das Land reagierte damit auf die Massenproteste gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen - aus Angst vor neuen Protesten.

HB KOPENHAGEN. Eine Sprecherin in Kopenhagen sagte im Rundfunk, das Außenministerium habe sich aus Sorge um die Sicherheit seiner Mitarbeiter für diesen Schritt entschieden. Die Botschaften Dänemarks waren vor einer Woche in allen drei Ländern angegriffen worden. Wie aus dem Außenministerium verlautete, habe es in Indonesien und Iran „konkrete Drohungen“ gegeben. Allen noch in Syrien, Iran und Indonesien verbliebenen Dänen wurde zur Ausreise geraten. Die diplomatischen Verbindungen sollen formell aufrechterhalten werden.

In Syrien hat Dänemarks Regierung Protest bei den Behörden wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen für die zuletzt in einem Hotel arbeitenden Diplomaten eingereicht. Die Botschaft wurde bei der Attacke am vergangenen Wochende von Demonstranten niedergebrannt. Vor dem provisorisch als Botschaft dienenden Hotel in Damaskus sei die Zahl der Wachleute deutlich verringert worden, sagte eine Sprecherin.

Die Veröffentlichung der satirischen Zeichnungen in europäischen Zeitungen hatte in der islamischen Welt für helle Empörung gesorgt. Der Proteststurm ist in den vergangenen Tagen allerdings abgeflaut. Auch bei Massenkundgebungen zur 27. Jahrestag der islamischen Revolution in Iran spielte der Streit eine nur zweitrangige Rolle. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad griff vor zehntausenden Zuhörern in Teheran vor allem Israel und den Westen an: „Wie ist es möglich, dass die Beleidigung des Propheten der Muslime weltweit mit Pressefreiheit gerechtfertigt wird, nicht aber eine Untersuchung über das Märchen des Holocaust?“

Nach dem Aufruf eines einflussreichen Ajatollahs zum Gewaltverzicht hatten sich in Teheran am Vorabend nur ein paar Dutzend Demonstranten vor den diplomatischen Vertretungen Dänemarks und Frankreichs zusammengefunden. In der marokkanischen Hauptstadt Rabat protestierten am Abend zehntausende Muslime. Nach Presseberichten hatte die Kundgebung nahezu Volksfestcharakter. In Bagdad demonstrierten am Samstag mehrere hundert Schiiten gegen die Veröffentlichung der Karikaturen und forderten einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den skandinavischen Staaten. In Pakistan beschlossen die führenden Parlamentsparteien eine Protestkampagne mit Demonstrationen und Konferenzen.

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