Karikaturenstreit
Muslime demonstrieren auch in Deutschland

Zahlreiche islamische Länder weiten ihre Boykottaktionen im Karikaturenstreit aus: So will Pakistan jetzt die Einfuhr von Medikamenten aus europäischen Ländern verbieten, in denen die umstrittenen Mohammad-Zeichnungen erschienen sind. Auch in Deutschland kündigten Muslime eine Groß-Demonstration an.

HB ISLAMABAD. Am Samstagmittag wollen Muslime in Düsseldorf vom Hauptbahnhof zum dänischen Honororkonsulat ziehen, bestätigte ein Polizeisprecher gegenüber Handelsblatt.com. Die Beamten rechnen mit rund tausend Teilnehmern. Nach Angaben des Veranstalters soll diese erste größere Demonstration in Deutschland gegen die Mohammed-Karikaturen friedlich verlaufen.

In zahlreichen anderen Ländern kam es auch am Freitag wieder zu Protesten. In der philippinischen Hauptstadt Manila verbrannten einige Hundert Demonstranten eine auf Pappe gemalte dänische Flagge und forderten von Dänemark eine Entschuldigung. Sie kritisierten auch Ministerpräsidentin Gloria Macapal Arroyo, die die Karikaturen bislang nicht verurteilt habe. Die Bevölkerung der Philippinen ist vorwiegend katholisch, im Süden des Landes gibt es aber eine starke muslimische Minderheit. Dort kämpfen Rebellen für die Selbstbestimmung der Muslime.

Pakistan regagierte mit einer neuen Boykottaktion auf den Karikaturenstreit. Der Import von Medizin aus Dänemark und anderen Ländern, in denen die „blasphemischen Karikaturen“ veröffentlicht wurden, werde künftig nicht mehr erlaubt, sagte Gesundheitsminister Nasir Khan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur APP im Senat in Islamabad. Ab wann der Importstopp gelten soll, sagte Khan nicht.

Khan betonte, die Karikaturen, die auch in Deutschland veröffentlicht wurden, hätten die Gefühle der Muslime verletzt. Pakistan stellt 85 Prozent der benötigten Medizin selber her. 15 Prozent - meist handelt es sich um hochwertige lebensrettende Medikamente - werden aus insgesamt 45 Ländern importiert. Auf Blasphemie steht in Pakistan die Todesstrafe.

Wie sich der Boykott auf die Versorgung der Bevölkerung mit Arznein auswirken könnte, war zunächst unklar. In Pakistan hatte es im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen wiederholt Demonstrationen gegeben. Dabei verbrannten die Menschen unter anderem Puppen, die den dänischen Ministerpäsidenten Rasmussen darstellen sollten.

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