Karikaturstreit
Türkei bietet Vermittlung an

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat sich im Karikaturen-Streit als Vermittler angeboten. Erdogan warnte auch vor zunehmenden Gegensätzen der islamischen und der christlichen Welt.

HB BERLIN. In einem Brief an alle Staaten, mit denen die Türkei diplomatische Beziehungen unterhalte, habe Erdogan erklärt, sein Land unterstütze alle Bemühungen um Versöhnung und Integration, berichtete die „Bild am Sonntag“ vorab. „Es ist unser größtes Ziel, selbst einen einzigartigen Beitrag zu leisten, um das Menschheitsideal Einheit in Vielfalt zu erreichen“, zitierte das Blatt aus dem Brief, der auch an die wichtigsten internationalen Organisationen wie Nato und UNO gesandt wurde.

Der türkische Regierungschef warnte mit Blick auf die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen: „Die unglücklichen Ereignisse haben eine Spannung zwischen Ost und West und zwischen islamischer und christlicher Welt erzeugt, die an Polarisierung grenzt und in neuerer Zeit ohne Beispiel ist.“ Im Interesse des Weltfriedens und dem Schutz der gemeinsamen Werte seien abgestimmte Maßnahmen der Staatsmänner notwendig geworden.

Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Dänemark ist es in islamischen Ländern zu gewaltsamen Protesten gekommen. Dabei wurden mehrere Botschaften westlicher Länder angegriffen und einige in Brand gesteckt. In Deutschland verliefen die ersten Kundgebungen von Moslems gegen die Karikaturen am Samstag in Düsseldorf und Berlin friedlich.

Erdogan kritisierte westliche Medien: „Wir haben beobachtet, dass bestimmte Teile der Medien diese Reihe unglücklicher Ereignisse als einen Testfall für die Meinungsfreiheit betrachtet haben.“ Dies sei eine kulturelle Arroganz, für die es keine Rechtfertigung gebe. Von Moslems könne man nicht erwarten, dass sie „eine Beleidigung und Herabwürdigung des Propheten Mohammed“ tolerierten.

Kritik übte der Ministerpräsident auch den gewalttätigen Protestierern: „Jene, die in ihrer Bestürzung zu Gewalt greifen und jene, die zu Gewalt aufstacheln, untergraben ihre eigene Sache und verlieren ihre Rechtschaffenheit.“ Der Islam sei die Religion des Friedens. Die Verteidigung des Islam könne nicht mit Methoden erreicht werden, die dieser Lehre zuwiderliefen.

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