Karimow lobt brutales Vorgehen
Tausende Usbeken bitten in Kirgisien um Asyl

Tausende Menschen haben am Samstag versucht, die umkämpfte Region Ost-Usbekistan zu verlassen. An der Grenze nach Kirgisien ging es für die meisten nicht weiter.

HB BERLIN. Die Unruhen im Osten Usbekistans haben einen Flüchtlingsstrom in Richtung Kirgisien ausgelöst. Rund 6000 Menschen versammelten sich am Samstag an der Grenze und baten um Asyl. Nur 528 von ihnen gelang es jedoch, in das Nachbarland einzureisen, wie eine Sprecherin der kirgisischen Grenztruppen mitteilte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sei dabei, ein Flüchtlingslager für die Betroffenen zu errichten, sagte die Sprecherin weiter.

Zuvor hatten sich rund 4000 Usbeken zu einer Protestkundgebung in der Grenzstadt Korasuw eingefunden, die rund 50 Kilometer von Andidschan, dem Zentrum der Unruhen, entfernt liegt. Kirgisischen Behörden zufolge stürmten die Demonstranten usbekische Regierungsgebäude, setzten Polizeifahrzeuge in Brand und verprügelten Grenzpolizisten.

Einige von ihnen versuchten, eine Brücke nach Kirgisien wieder aufzubauen. Diese war zuvor von den usbekischen Behörden zerstört worden. Auch im Grenzort Barasch versammelten sich rund 2000 Menschen.

Der Präsident der zentralasiatischen Republik, Islam Karimow, lobte das brutale Vorgehen seiner Sicherheitskräfte und bezeichnete die getöteten Landsleute als «Extremisten» und «Kriminelle». Karimow sprach von «mehr als zehn getöteten Polizisten».

Er warf Kirgisien vor, die Unruhen in Andidschan geschürt zu haben. Offenbar wolle das Nachbarland seine Revolution vom März ins Ausland transportieren. Damals war der kirgisische Präsident Askar Akajew gestürzt worden. Kirgisien wies die Vorwürfe Karimows zurück.

Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte in Moskau seine Sorge vor einer weiteren Destabilisierung in Zentralasien. Westliche Regierungen zeigten sich dagegen betroffen von den hohen Opferzahlen. In der Stadt Andischan berichteten Bewohner am Samstag von Hunderten Toten. Krankenhäuser meldeten mindestens 50 Tote.

«Insbesondere die Berichte über anhaltende Gewalt und die zugespitzte Lage im südost-usbekischen Andischan und im Fergana-Tal sind beunruhigend», sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer in Berlin.

Für die deutschen Soldaten im Land besteht nach Angaben von Verteidigungsminister Peter Struck keine Gefahr. «Im Süden Usbekistans sind 305 deutsche Soldaten stationiert. Dieses deutsche Kontingent ist nicht von den Unruhen betroffen. Es hält sich 900 Kilometer entfernt auf. Unsere Soldaten sind in Sicherheit», sagte Struck der «Bild am Sonntag».

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