Karsai unter Druck
Brown fordert mehr Engagement

Afghanistans Präsident Hamit Karsai ist immer stärkerem Druck aus der Weltgemeinschaft ausgesetzt: Der britische Premier Gordon Brown forderte weitere Schritte gegen die Korruption im Land und warnte vor einer erstarkenden El Kaida, falls das Land nicht am Hindukusch nicht zur Ruhe kommt. Gleichzeitig mahnt er einen Zeitplan für die Selbständigkeit an.
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HB LONDON. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown hat sich als Gastgeber für eine internationale Afghanistan-Konferenz Anfang kommenden Jahres angeboten. Eine solche Konferenz sollte einen Zeitplan erstellen, wie schon im kommenden Jahr Sicherheitsaufgaben in den afghanischen Distrikten schrittweise an die einheimischen Behörden übertragen werden können, sagte Brown am Montagabend bei einer außenpolitischen Grundsatzrede in London. Zugleich rief er den wiedergewählten afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu einem verstärkten Kampf gegen Korruption auf.

Die Organisation Transparency International sieht Afghanistan auf dem zweitschlechtesten Platz von 180 untersuchten Ländern, noch korrupter ist nur der ostafrikanische Staat Somalia. Zu den Schlusslichtern gehören außerdem der Irak, der Sudan und Birma. Sie erhielten auf einer Skala von null bis zehn Noten unter 1,5.

Gleichzeitig verteidigte Brown den Afghanistan-Einsatz britischer Soldaten gegen zunehmende Kritik in der Heimat und warnte eindringlich vor den Gefahren des Terrornetzwerks El Kaida. El Kaida rekrutiere weiterhin Anhänger in Afrika, im Nahen Osten und Europa. In Terror-Camps in der pakistanischen Grenzregion zu Afghanistan würden mehrere hundert ausländische Kämpfer ausgebildet.

„El Kaida ist die größte Bedrohung für unsere nationale Sicherheit und das Leben der Menschen in Großbritannien.“ Zudem habe das Terrornetzwerk weiter Kontakte zu den radikalislamischen Taliban in Afghanistan und Pakistan.

Sollte sich die Internationale Schutztruppe ISAF aus Afghanistan zurückziehen, könnte sich El Kaida dort wieder ausbreiten. „Wir sind in Afghanistan, weil El Kaida und andere Terrorgruppen wieder ein Operationsumfeld hätten, wenn die Taliban zurück an die Macht kämen“, sagte Brown.

Angesichts einer schnell wachsenden Zahl getöteter britischer Soldaten war der Rückhalt für den Einsatz in Afghanistan in der britischen Bevölkerung in den vergangenen Monaten stark geschrumpft. Mittlerweile befürwortet die Mehrheit der Briten einen Abzug der Truppen vom Hindukusch. Seit Beginn des Einsatzes im Jahr 2001 kamen 234 britische Soldaten ums Leben.

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