Karsais Kritik
„Ausländisches Geld hat Korruption gebracht“

Erst vor wenigen Tagen hat sich Hamid Karsai unter zwielichtigen Umständen als Präsident Afghanistans bestätigen lassen. Jetzt geht er erneut auf Konfrontationskurs zum Westen: Mit den umfangreichen Hilfsgeldern für sein Land schwelle auch die Korruption dramatisch an.
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HB WASHINGTON. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat das Ausland mitverantwortlich für die Korruption in seiner Regierung gemacht. Das viele Geld, das aus dem Ausland in sein Land fließe, habe eine bis dahin ungesehene Art von Korruption nach Afghanistan gebracht, die sehr viel schwerwiegender sei, sagte Karsai in einem am Montag ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender PBS.

Als Problemfelder bezeichnete er eine mangelnde Transparenz bei der Auftragsvergabe und Korruption bei der Umsetzung von Projekten. Konkrete Beispiele nannte der wegen seiner umstrittenen Wiederwahl im Westen unter Druck geratene Präsident aber nicht. Der international geforderte Kampf gegen die Korruption in seiner Regierung habe längst begonnen, sagte Karsai. „Wo wir tatsächlich korrupte Praktiken von ranghohen Regierungsvertretern festgestellt haben, haben wir gehandelt. Sie sind im Gefängnis.“ Zugleich rief er aber auch das Ausland zur Verantwortung. Er hoffe, dass Afghanistans internationale Partner die Probleme auf ihrer Seite erkennen und sie gemeinsam mit seiner Regierung korrigieren, sagte Karsai.

Karsai war als Präsident bestätigt worden, nachdem sein Widersacher Abdullah Abdullah seine Teilnahme an der Stichwahl im Streit um Wahlbetrug abgesagt hatte. Der Westen befürchtet, dass der monatelange Wahlstreit die Legitimität Karsai beschädigt haben könnte und fordert von dem Präsidenten politische Reformen. Vor allem US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister Gordon Brown hatten Karsai zuletzt zu einem entschlossenen Kampf gegen die Korruption aufgerufen. Andernfalls riskiere Afghanistan den Verlust der internationalen Unterstützung, sagte Brown am Freitag.

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