Kartellverfahren
EU zwingt Mastercard zu Gebührensenkung

Die Kreditkartengesellschaft Mastercard senkt ihre Gebühren und entgeht so einer Kartellstrafe der EU. Mastercard habe sich bereit erklärt, das sogenannte multilaterale Interbankenentgelt (Mif) zu senken, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel. Sie sehe deshalb jetzt keinen Grund mehr dafür, ein Kartellverfahren gegen Mastercard einzuleiten.

BRÜSSEL. Mit dem Interbankenentgelt setzt Mastercard nach Schätzung der EU-Kommission jährlich immerhin 200 Mio. Euro um. Dieses Geschäft schrumpft nun. Pro Transaktion dürfe die Gebühr nur noch höchstens 0,3 Prozent des Umsatzes bei Privatkunden-Kreditkarten, sowie maximal 0,2 Prozent bei Privatkunden-Debitkarten betragen, sagte Kroes. Im Jahr 2007 lag das Entgelt noch bei bis zu 1,9 Prozent des Umsatzes je Transaktion. Mastercard habe außerdem zugesagt, die Kartennetzgebühren Mitte des Jahres zu senken. Auch davon würden Verbraucher und Einzelhändler profitieren, sagte Kroes.

Die EU-Kommission hatte Mastercard bereits Ende 2007 aufgefordert, die Gebühren zu senken und dafür eine Frist bis Mitte Juni gesetzt. Zu dem Zeitpunkt schaffte Mastercard das umstrittene Entgelt ab und arbeitet seither an einem neuen Gebührensystem. Dieses System legte Mastercard der EU-Kommission nun zur Genehmigung vor. Die EU-Wettbewerbsbehörde stimmte zu. Das drohende Zwangsgeld für Mastercard sei damit vom Tisch, sagte Kroes. Allerdings werde die EU-Kommission genau prüfen, ob Mastercard die Zusagen auch einhält.

Die jetzt gefundene Vereinbarung mit Mastercard hat indirekt auch Bedeutung für den Konkurrenten Visa. Die Kommission beobachte die Gebühren-Praxis von Visa genau, sagte Kroes.

Zufrieden ist Mastercard nicht mit dem nun gefundenen System. Die mit der EU-Kommission vereinbarten Gebühren seien zu niedrig. Damit könne das Unternehmen nicht mehr in bessere Zahlungsprodukte für Händler und Kunden investieren, sagte der Chef von Mastercard Europe, Javier Perez.

Der Einzelhandelsverband Eurocommerce ist hingegen der Meinung, die EU-Kommission sei zu großzügig mit Mastercard verfahren. Selbst an einer pauschalen Gebühr von einem Cent pro Transaktion würde das Unternehmen noch verdienen, sagte der Generalsekretär von Eurocommerce, Xavier Durieu. Eigentlich müssten die Transaktionsgebühren ganz abgeschafft werden.

Kroes lehnt Kreditkartengebühren nicht grundsätzlich ab. Das Entgelt müsse allerdings dem Vorteil entsprechen, der Kunden und Händlern durch die bargeldlose Bezahlung entstehe, sagte sie.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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