Kasachstan
Zwischen Bär und Drache

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Schaufenster EXPO 2017

Im eurasischen Raum ist Kasachstan zum Dreh- und Angelpunkt für die deutsche und europäische Energie- und Rohstoffsicherheit geworden. Jede vierte Tonne Rohöl in Deutschland kommt aus dem  Steppenstaat. Zugleich sind deutsche Unternehmen begehrte Partner für die Erschließung der zwischen dem Kaspischen Meer und dem Tian-Schan-Gebirge vermuteten gigantischen Rohstoffreserven. Mit dem 2012 unterzeichneten Kooperationsabkommen sichert sich Deutschland im Austausch „Rohstoffe gegen Technologie“ nicht nur exklusive Schürfrechte bei Gold und „Seltenen Erden“, sondern zugleich einen vielversprechenden Markt für seine Maschinenexporte und den Anlagenbau.

Mit einem Bekenntnis zu den erneuerbaren Energien richtet Kasachstan vom 10. Juni bis 10. September dieses Jahres die erste Weltausstellung in Zentralasien aus. In der Retorten-Hauptstadt Astana, die im Norden vor gerademal zwei Jahrzehnten mit Milliarden-Aufwand aus den Öl-Gewinnen aus der Steppe gestampft wurde, werden 104 Länder und zehn internationale Institutionen 93 Tage lang unter dem Motto „Future Energy“ ihre Beiträge und Innovationen präsentieren. Mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar lässt sich das Schwellenland Kasachstan sein Prestigeprojekt EXPO 2017 kosten.


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Das weithin sichtbare Wahrzeichen auf dem 174 Hektar großen Areal ist eine 50 Meter hohe Glaskugel, die den „letzten Tropfen Öl“ symbolisiert. „Wir bereiten uns auf die Zukunft ohne Öl vor“, sagt EXPO-Chef Akhmetzhan Yessimov: „Bis 2050 wird Kasachstan 50 Prozent seines Bedarfs aus grünen Energien beziehen.“ Alles laufe „nach Plan“, gibt sich der frühere Minister und Bürgermeister der Wirtschaftsmetropole Almaty zuversichtlich und deutet auf die Baukräne und fast fertigen Ausstellungs-Pavillons vor seinem Bürofenster. Man werde nicht die „Fehler der Deutschen“ machen, versichert der Vertraute des autoritären Staatschefs Nursultan Nasarbajew.

Im Unterschied zur EXPO 2000 in Hannover mit ihrem verrotteten Gelände sollen alle Pavillons erhalten bleiben und für Kongresse, Messen oder ein internationales Finanzzentrum zur Verfügung stehen. „Das wird hier wie in Dubai“, sagt Yessimov stolz, „wir bauen einen komplett neuen Stadtteil mit Wohnungen, Restaurants, Einkaufszentren und Hotels“. Seinem Ziel, eines noch fernen Tages zu den 30 entwickelten  Nationen der Welt zu zählen, hofft Kasachstan mit der EXPO 2017 ein Stück näher zu kommen. „Mit der grünen Energie“, schwärmt EXPO-Chef Yessimov, „wollen wir zu einem Schaufenster für die Welt werden.“

Im Dezember 2015 unterzeichnete die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in Astana das „Rahmenabkommen über die erweiterte Partnerschaft  und Kooperation“ der Europäischen Union mit Kasachstan. Diese Vereinbarung entspricht zwar keiner Assoziierung, geht aber nach Einschätzung des kasachischen Vizeaußenministers Sergej Volkov „weit über die Abkommen der EU mit anderen Staaten des postsowjetischen Raums hinaus.“ Zoll- und Finanzsysteme werden angepasst, über Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte soll es zum Dialog kommen. Mit Russland habe es über das Partnerschaftsabkommen „keinerlei Konsultationen“ gegeben, versichert Volkov, Moskau habe sich „nicht eingemischt.“

Das liegt wohl an Wladimir Putins Wertschätzung für Kasachstans Präsidenten Nasarbajew. Der 76-jährige lenkt das Land seit über 25 Jahren mit harter Hand und will zunächst die Wirtschaft stärken. „Die Demokratie steht für uns nicht am Anfang des Weges,  sondern am Ende“, sagt er. Nasarbajew, so der russische Staatschef anerkennend, habe zwischen dem Kaspischen Meer im Westen und dem Altai-Gebirge im Osten „einen Staat aufgebaut, wo es vorher nie einen gab.“

Das klang zunächst nach einem Affront: Kasachstan eine Landmenge ohne eigene Staatlichkeit? Denn nach dem freiwilligen Verzicht auf die seit Sowjetzeiten in Kasachstan gelagerten Atomwaffen-Arsenale löste die russische Landnahme der Krim einen tiefen Schock aus. Nasarbajew versteht sich inzwischen als Mittler zwischen Putin und dem Westen – etwa im Ukraine-Konflikt und nun als Gastgeber der Syriengespräche.

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